Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 97
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So tiitt an die Stelle eines stieng in sich abgeschlossenen Yolks-
stammes ein aus vei'schieden-nationalen Elementen gefoimtes
allgemeines Hellenentum. Hei einei deiaitig gemischten Bevöl-
keiung diiifen wii denn auch keine einheitliche, leine Spiache,
Schiift und Sittevoiaussetzen. ))Wiiwissenivenig<(, sagtMomm-
sen (p. 136), ))vondenäusseienYeihältnissendieserkampanischen
Giiechen. Indem sie von ihiem engen Beziik aus nicht ei-
ohemd und unteidiückend gegen die Eingeboinen auftiaten, son-
dein fiiedlich mit ihnen handelten und veikehiten, eischufen sie
sich selbst eine gedeihliche Existenz und nahmen zugleich den
eisten Platz untei den Missionäien giiechischei Civilisation in
Italien ein.«
Nicht ungestöit eifieuten sich die Hellenen ihies Besitzes.
Vom Noiden hei diangen um den Beginn des sechsten Jahihun-
deits (B. 9) etiuskische Seefahiei in das kampanische Meei und
setzten sich, ein gefüichtetes Ivoisaienvolk, an den Küsten fest
(M. 140 f.). Ein Zivölfstädtebund, daiuntei Nola, Capua, Saticula
(= 8. Agata de' Goti ?), ivohl auch Nuceiia, befestigt ihie Macht
im Innein des Landes und macht sie den hellenischen Kolonien
am Vesuv zu gefüichteten Rivalen. Auch untei veiändeiten
politischen Veihältnissen halten die Eiobeiei zäh an einzelnen
ihiei neuen Sitze fest. Denkmälei und Inschiiften geben uns
Kunde von dei sicheien Existenz selbständigei etiuskischei An-
siedlungen in Kampanien noch in spätei Zeit. ))Den Hellenen
des vieiten Jahihundeits hiess Kampanien J'udö/iyiM zusammen
mit Latium und Etiuiien« (B. 1). ))Fast alle Monumente etius-
kischei Spiache (eingekiatzte Gelassinschiiften) und Industiie, die
in Kampanien gefunden sind, stammen aus dei Zeit nach 445«
(B. 9). Etiuskische Münzen neapolitanischen Gepiäges mit dei
Legende !8NG] u. ä. (B. 10; Mommsen, unteiital. Dial. p. 316)
sollen in das diitte Jahihundeit v. Chi. gehöien.
Dei Niedeigang dei tynhenischen Macht im Noiden Italiens
fühit auch ihi Ende in Kampanien heibei. Das kiäftige Beig-
volk dei Samniten entieisst, von den stammveiwandten Ausonen
als Befieiei von dei Fiemdhenschaft begiiisst, den Etiuskein den
Boden, welchen sie fast duich zwei Jahihundeite hinduich inne-
gehabt hatten. Um 424 eibeuten sie die Hauptstadt Capua (B.
11; M. 323); Nola und Nuceiia unteiliegen, und auch die helle-
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