Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 99
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bis 88) von Neuem die fruchtbtu*en Ebenen Kampaniens voin
Watfenlärme widerhallen.
52. Diese historischen Verhältnisse Kampaniens geben uns
einen wichtigen Anhait zur Datierung der Vasen. Zunächst
machen auch sie es in hohem Gradc unwahTScheinlich, dass der
Stil der rothgurigen Vasen ein wirklich originaler ist. Die Mehr-
zahl der kampanischen Gefässe gehört einer freieren, gewöhnlich
als a schön t; bezeichneten Stilstufe der rothgurigen Maierei an, die
man zeitlich in das Ende des 5. Jahrh. (zwischen 440 und 400 ;
F. Winter, die jüngeren att. Vasen ete.) zu setzen pAegt. Um
420 nun vollzog sich, wie wir sahen, der Wechsel der etruskischen
und der samnitischen HerTschaft in Kampanien. Dass dic Etrus-
ker Gefalien an den Produkten heilenischer Keramik fanden,
wissen wir aus Funden in ihrem eigenen Lande; aber wer be-
zeugt uns dies für die Samniten der Berge, denen jede selbstän-
dige Kunstübung fremd war (M. 475)? Oder sollen wir annehmen,
dass sie, sowie sie in die Ebene hinabstiegen, auch sofort sich
hellenisierten und die Handelsbeziehungen der Etrusker mit Athen
ohne Unterbrechung fortsetzten? Dass die Vasen dieser Zeit in
Kampanien etwa ausschliesslich aus griechischen oder etruskischen,
nicht aus samnitischen Gräbern stammen, ist bisher nicht nach-
gewiesen und wird sich schwerlich nachweisen lassen; und da
die Annahme eines ausserordentlich regen Handelsverkehrs, wie
er zwischen Kampanien und Attika existiert haben miisste, in
Zeiten so durchgreifender politischer Umwäizungen und Unruhen
ohnehin ihr Uedenkliches hat: so werden wir wohl gut thun,
auch hier unser Auge nicht der off'cn zu Tage liegenden That-
sache, dass die Vasen aus späterer Zeit stammen, zu verschliessen.
Für eine ungefähre Zeitbestimmung der Gefässe müssen wir
beachten, dass ihre Entstehung am wahrscheinlichsten in Zeiten
politischer Ruhe und Sicherheit ist, in welchen auch dem Export
nach Etrurien keine äusseren Hindernisse in den Weg traten.
Ihre Verfertigung vor der Zeit Alexanders des Grossen anzu-
nehmen, verbietet uns die gesunde, archaisierenden Tendenzen
abholde Entwicklung der griechischen Kunst. Unter der römischen
Herrschaft nun, ungefähr von 310—220, herrscht in Kampanien
ungestörter Friede, und in diese Zeit möchte ich die Fabrikation
der Gefässe versetzen. Die beinahe zwanzigjährigen Unruhen
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