Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 102
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heiausgetreten und eine humanistisch-kosmopolitische geworden
ivar (M. p. 861), berühit auch mit gewaltigem Andrang die Yöl-
ker Italiens. xDer Hellenismus ist jetzt weder bloss Anregung
mehi noch Nebensache, sondern durchdiingt das innerste Mark
der itaIischenNation<( (p. 862). ))Er schrittauf geistigem Gebiete
eben so unaufhaltsam vorwärts, wie der Römer arbeitete, die Erde
sich unterthänig zu machen; und die sekundären Nationen, wie
die samnitische, keltische, etruskische, verloren, von zwei Seiten
her bedrängt, immei mehr an Ausdehnung wie an innerer Kraftff
(p. 453). ))Eine wichtige Konsequenz dieser Stellung der herr-
schenden Nation zu dem Hellenentum war es, dass die Latini-
sierung in Italien überall, nur nicht den Hellenen gegenüber
Roden gewann. Die Griechenstädte in Italien, soweit der Krieg
sie nicht zernichtete, blieben griechischft (p. 862). Wie zäh das
hellenische Wesen am Boden haftete, erkennen wir daiaus, dass
))erst seitdem Titus eine Veteranenkolonie nach Neapel führte,
das Latein dort anfängt, in der Volkssprache die Oberhand zu
bekommen. AIs Amtssprache aber hat das Griechische sich be-
hauptet bis in die diokletianische Zeit; und noch bis heute haben
sich oskische und griechische Wendungen im Volksdialekt Nea-
pels erhaltentf (B. 12). Auch .in Cumä überwiegt im 3. Jahrh.
das oskische und hellenische Element; denn erst im Jahre 180
v. Chr. ))Cumanis petentibus permissum est, ut publice Latine
loquerentur, et praeconibus Latine loquendi ius essettf (Livius 40,
42; Beloch p. 151, Anm. 21). Und nichts hindert uns, ähnliche
Verhältnisse, wenn schon in beschränkterem Maasse, auch für die
übrigen Städte Kampaniens, Nola, Capua, Saticula u. s. f. anzu-
nehmen.
51. Etwas anders liegen die Dinge in Sicilien, dessen Vasen
nach meiner Ansicht gleichfalls an Ort und Stelle entstanden
sind. Ich folge hier fast durchgängig den Untersuchungen ILoIms,
Geschichte Siciliens im Altertum. Auf dem von den Uieinwoh-
nern — Sikanern und Sikelern (H. I, 58 ff, 65 tf.) — und von
phönikischen Kolonisten (79 tf) eingenommenen Boden erheben
sich ungefähr von der Mitte des 8. bis zum Beginne des 6. Jahrh.
(144) die griechischen Ansiedlungen. Zuerst an der dem Mutter-
lande nächstgelegenen Ostküste (116 tf.). Ionische Chalkidier
gründen Naxos, die erste hellenische Niederlassung; ihnen folgen
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