Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 104
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das Land unter der Herrschaft der Tyrannen Theron von Agrigent,
Gelon von Syrakus (y 478) und dessen Nachfolgers Hieron (y 467)
im AHgemeinen friecilichen Gedeihens, und auch die nächsten
dreissig Jahre hringen keine Aenderung in der politischen Phy-
siognomie Siciliens hervor (H. I, 254). Anders liegen die Ver-
hältnisse fiir die Vasen des Hschönen« Stils, deren aus Sicilien
eine grosse Anzahl stammt und die man nach Analogie der itali-
schen Gefässc ebenfalls für attische Waare halten muss. Wie
sieht es denn mit den Beziehungen zwischen Sicilien und Athen
am Ende des 5. Jahrh. aus? Und gestalten sich etwa nach dieser
schweren Zeit die politischen Verhältnisse ruhiger und einem
friedlichen Handelsverkehre förderlich? Im Jahre 427 hringt eine
Flotte der Athener den Leontinern Hilfe gegen Syrakus (H. II,
4tf.), und von da his zum Ende der grossen athenischen Expe-
dition nach Sicilien, his 413, dauern die Feindseligkeiten zwischen
den heiden Staatcn ununterbrochen fort. Auch in der nächst
darauf folgenden Zeit darf man nicht an Handelsverbindungen
Attikas, das nur von den chalkidischen Städten Siciliens laue
Unterstützung empßng (H. II, 77), mit Syrakus und dessen Bun-
desgenossen denken. An den Kämpfen zwischen Athenern und
Peloponnesiern an der kleinasiatischen Iiüste nehmen sicilische,
inshesondere syrakusanische Schiife auf Seiten der Dorier mehr-
fach wichtigen Anteil. Zuletzt hören wir (H. II, 76) 409 von
einer Beteiligung sicilischer Griechen an einer gegen Athen ge-
richteten Unternehmung. In den letzten dreissig Jahren des
5. Jahrh. dürfen wir also unter keinen Umständen an einen Ex-
port attischer Gefässe nach Sicilien denken. Die bedeutsamen
politischen Veränderungen auf der Insel selbst, welchc die Wende
der Jahrhunderte hegleiten, machen einen solchen auch für die
Folgezeit im höchsten Grade unwahrscheinlich. Zum zweiten
Male dringen die Karthager in Sicilien ein (409), das ganze Land
durch Krieg und Verwüstung verheerend. Selinus fällt, Ilimera
wird dem Erdhoden gleich gemacht (408), Agrigent von den Ein-
wohnern freiwillig verlassen, im nächsten Jahre aber (405) von
den Karthagern eingeäschert (H. II, 97). In Gela und Kamarina
werden die Einwohner vertriehen, die Häuser geplündert. Der
Friedensschluss der Karthager mit Dionys I., dem Tyrannen von
Syrakus (404), gestattet den Bewohnern der fiinf eingenommenen
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