Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 105
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Städte die Riickkehr in ihre Heimat (H. II, 100). Nach wenigen
Jahren der Ruhe erwacht 397 aufs Neue der Hrieg, der sich
dann mit längeren Pausen bis zum Jahre 367 hinzieht, dem
Todesjahre Dionys' I. An ausgedehnte Handelsverbindungen mit
Athen werden wir — wenigstens in den Jahren 410 bis ungefähr
387, wo die Hauptfeldziige gegen Karthago und Grossgriechen-
land beendigt sind (H. II, 141) — kaum denken diirfen. Erst
seit dieser Zeit nehrnen die Handelsbeziehungen und der mate-
rielle Wohlstand dcr Insel neuen Aufschwung (H. II, 175). Es
miisste also 40 Jahre lang, von 427 — 387, der Export attischen
Geschirres nach Sicilien unterblieben sein. Wie lässt sich aber
diese Annahme mit den thatsächlichen Umständen vereinbaren?
Woher stammen dann die zahlreichen Gehisse des Mchönemt Stils,
die doch eben in jener Zeit fabriciert sein müssten? Die Kämpfe
zwischen Dionysios II. und Dion und die Wirren nach dem Tode
des LetzteTen in den fünfziger und vierziger Jahren des vier-
ten Jahrhunderts hereiten dem kurzen Rlütestande Siciliens wie-
der ein rasches Ende. ))Alle Schrecknisse des Krieges erfüllten
die Insel, ausländische Mietstruppen zogen plündernd umher, und
veTwüstete Aecker, verödete ßtädte zeigten, wie weit das Land
in diesen Zeiten zurückgekommen war. Tapfere und unterneh-
rnende Menschen, denen endlich das Land nicht genug Beute
inehr darhot, gingen zu Schitfe und fuhren an der Küste Italiens
auf Raub entlang« (H. II, 192). Die Kämpfe Timoleons von
Korinth urn Syrakus, gegen die kleineren sicilischen Tyrannen
und gegen die Karthager (344—336) fiihren keine Veränderung
dieser traurigen Verhältnisse herbei. Es folgen die Lnruhen der
agathokleischen Zeit, wo Agrigent sich gegen Syrakus erhebt,
der Krieg mit Karthago von Neuem losbricht und sogar auf
afrikanisches Gebiet iibertragen wird, und grausame Streifziige
durch die verwiistete Insel die Macht des syrakusanischen Tyran-
nen, des ehemaligen Töpfers (j- 289), befestigen halfen. Die kurze
kriegerische Laufbahn des Pyrrhos in Sicilien (bis 275), die die
grössere westliche Hälfte der Insel und vor allem Akragas in
Karthagos Ilände bringt (Mommsen, röm. Gesch. I, 506), fiihrt
zn der ILerrschaft Hierons II. (275—215), durch welche endlich
wieder längerer Friede und festere Ordnung im Lande einziehen.
Die erste Periode seiner Regierung freilich, die dem Kampfe
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