Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 106
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Roms mit Kmthago vorhergehenden Streitigkeiten und dann die
mehr als zwanzigjährigen Wirrnisse dieses ersten punischen Krie-
ges (264—241), der in der Hauptsache dem Besitze Siciliens gilt,
hringt dem erschöpften Lande noch keine Ruhe. Dass ein aus-
gebreiteter Handel zur See in dieser Zeit nicht möglich war,
wird uns ausser durch die Thatsache, dass der Kampf sich zum
grössten Teile in den sicilischen Gewässern abspielte, auch durch
ein Zeugnis aus dem Altertum bekräftigt, durch den Zeitgenossen
des eTsten punischen Krieges, Eratosthenes. Derselbe berichtet,
))dass jeder fremde Schilfer, welcher nach Sardinien oder nach
der gaditanischen Strasse fuhr, wenn er den Karthagern in die
Hände hel, von ihnen ins Meer gestürzt wardtt (M. I, 494).
x Karthagos Flotte beherrschte eben ohne Nebenbuhler das west-
liche Mittelnreer, und sein Bestreben ging dahin, den Seehandel
dieser Gegend immer mehr sowohl dem Ausland wie den eigenen
Unterthanen gegenüber zu monopolisieren <t (ebenda). Die Epoche
des Friedens und der Blütezeit der hieronischen Herrschaft fällt
in die Jahre zwischen dem ersten und zweiten Kriege Roms mit
Karthago (FI. II, 298). Von 240—215 herrschen Ruhe und Ge-
setzmässigkeit im Lande. Litteratur und Kunst erleben eine neue
Blüte: die bukolische Poesie ist ein Kind der hieronischen Zeit,
und Bauwerke, wie das Theater von Syrakus, der grosse Altar
des Hieron und die schönen Münzen der Philistis zeigen, dass
der Sinn fiir bildende Kunst auf der Insel den Verlust der poli-
tischen Freiheit zu iiberdauern vermocht hatte. Der Friede von
241 hatte den grösstenTeilSiciliens in dieHändeRoms gebracht
(M. I, 359). Hieron, der treue Bundesgenosse der Sieger, blieb
Herr von Syrakus und seiner Besitzungen an der Ostküste, wäh-
rend die Römer den iibrigen Teil der Insel, dabei auch Akragas,
in Besitz nahmen. Der Wiederausbruch der Feindseligkeiten in
Sicilien irn Jahre 215 bringt das Land gänzlich unter ihre Bot-
mässigkeit (M. I, 618 ff). Syrakus, das sieh auf Seite der Kar-
thager gestellt hatte, wird erobert und gephindert (212), auch
Akragas den Numidiern wieder abgenommen und seine Biirger-
schaft in die Sklaverei verkauft (210). Der zerrütteten Insel giebt
Rom Ruhe und Sicherheit wieder. Als römische Provinz ohne
selbständige politische Bedeutung greift Sicilien in dcr nächsten
Zeit nicht mehr handelnd in den Gang der Dinge ein.
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