Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 127
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die Inschi'iften nur dekoia,tiven Zwecken, zur Füllung des Raumes
dienen, kann ich nicht gelten lassen. Denn fiillen nicht, wenn
ich einmal schreiben kann, veinünftige Woite ehenso gut und
bessei den Raum? Mii scheint vielmehi, dass dei Maler übei-
haupt nicht mehi griechisch spiechen und schreiben konnte; wo
seine Inschiiften koriekt sind, da sind sie nach einei Voilage
kopieit. Wenn er dann wiiklich noch Inschiiften zui Füllung
des Raumes oder zui Charakteiisieiung ciner Figui biauchte,
seine Vorlage abei beieits ausgeschrieben hatte, dann malte er
eben sinnlose Zeichen hin. In einzelnen Fällen indess glaube
ich doch, dass wii es nicht nur mit blossen Buchstabenkomplexen
zu thun haben, sondern dass wii tiefer gehen dürfen. So ent-
hält z. B. die Inschrift des stieng-rotf. Fragments Beilin 21S1:
KArENI ^AMNi
doch ganz bedenkliche Anklänge an italische Namen. Auch kann
ich mir nicht denken, dass Tlenpolemos, der auf zwei verschie-
denen Vasen dieselbe Inschiift hat (Klein, M.-S. p. 84, 1 u. 2):
TkENrOI'EME : KNVNVON, mit dem Woite KNVNVON.
das ihm doch im Gedächtnis gehaftet haben muss, nur ))den
Raum duich sinnlose Zeichen habc fiillen wollenrt. Aehnlich auf
dei Amphoia Mon. d. I. III, 41—45, wo neben neun unbean-
standeten Inschiiften das Woit ErEOriOI sich ündet, auf dei
Euthymidesvase München 378 (= Klcin, M.-S. 194, 2 = Ger-
haid, A. V. 188) neben 13 richtigenWoiten die Buchstaben EIEOTI.
auf dei Duiisschale Klein, M.-S. 160, 21 (= Wiener Voilegebl.
VI, 7 = Fiöhnei, choix de vases, 2—4) neben 15 giiechischen
dasWoit EENEMEKNERINE, wodochschondas E aufaüsser-
attischen Uispiung weist. Vielleicht liegt in einem Teile diesei
Inschiiften noch ein beträchtliches, allerdings stets mit giösstei
Voisicht zu veiwendendes Mateiial fiii die spiachgeschichtliche
Foischung veiboigen.
66. Es ist also eine ganz betiächtliche Reihe von Fällen,
wo wii auf Spuien nichtattischen Dialektes stossen. Was ich
hier geben konnte, sind nur bescheidene Beobachtungen eines
Aichäologen, dem eingehendeie sprachliche Studien bishei feinei
gelegen haben. Es mag genügen, dass die Frage angeregt woi-
den ist. Durch genaue Unteisuchung dei Vaseninschiiften von
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