Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 131
DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arndt1887/0147
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
131

Wenn wir uns der auf untei'italischen Gcfassen häuhgen
Fliigelwesen, wie der Fyssa. auf den Lykurgosvasen oder der
erinyenähnlichen Gcstalten auf den Unterweltsbildern entsinnen
und nach Etrurien blicken, wo Befhigelung den mannigfachsten
Figuren verliehen wird, ohne dass wir im Stande wären, im Ein-
zelnen daraus ihren mythologischen Charakter zu bestimmen: so
schliesst sich meiner Ansicht nach diesen italischen Kunstwerken
eine Reihe ))attischer<t Vasen an, auf denen wir gleichfalls Fliigel-
gestalten ungewöhnlicher Art begegnen. Es wurde bereits oben
(§. 16) eine Kategorie s.-f. Gefässe erwähnt, die, auch sonst wegen
stilistischer Besonderheiten aus Griechenland fortweisend, sich
durch die hier gerade besonders häuhgen gedügelten Figuren als
italisches Fabrikat verrät. Beispiele (vgl. Jahn, Einl. Anm. 1168):
Gerhard, A. V. 117 u. 118, 3; Miinchen 74; Mus. Greg. II, 31, 2.
Bei weiblichen Gestalten dieser Art wird man sich mit der Deu-
tung als Iris oder Eris zu helfen wissen; die FlügelmänneT da-
gegen als Kampfdämonen, Deimos oder Phobos, aufzufassen (Jahn,
Einl. Anm. 1070) sind wir durch nichts berechtigt. Was auf der
Francoisvase noch erklärlich ist, muss 50 oder 100 Jahre später
befremden. Auch die gediigelten Danaiden der Münchner Vase
153 (= Inghirami, vasi htt. 135) werden sich jetzt besser aus
italischem Kunstgebrauche erklären lassen. Wenn wir auf dem
rohen Bilde einer s.-f. Lekythos aus Athen (Stackelberg, Gräber
d. Hell. XVI, 5) auch einmal derartigen Flügelmännern begeg-
nen, so vermag dieser Umstand nichts an unseren Beobachtungen
zu ändern. Selbst wenn -— was ja nicht iiber jeden Zweifel er-
haben ist (vgl. §. 82 tf.) — das Gefass in der That in Athen'ver-
fertigt sein sollte, so ist es doch keineswegs unmöglich, dass sich
derartige Vorstellungen vereinzelt im 3. Jahrh. von Italien aus
nach Athen verbreitet haben. Der umgekehrte Schluss, dass man
mit diesen Fliigelwesen dem Geschmacke der Käufer habe ent-
sprechen wollen (Urlichs, Beitr. z. K.-G. p. 22), setzt immer die
Kenntnis italischer Werke in Athen voraus und ist deshalb kom-
plicierteT als unsere Erklärung.
Ich bin nicht Pferdekenner noch Sportsman. Aber mir scheint,
dass selbst das blöde Auge des Laien den Unterschied zu erken-
nen vermag, der zwischen den Pferden auf echtgriechischen Ge-
fässen, wie den meiischen, korinthischen, der Fhancoisvase, und
loading ...