Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 133
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deuten kann, führen auf den Zusammenhang dei* ))attischen<( Va-
senmalerei mit der Kunst Mittel- und Unteritaliens.
Auf der streng-rotf. Vase Overb., Her.-Gall. X, 3 sitzt Paris
in einer Aedicula, wie wir sie in diesem Stiie sonst nicht hnden.
Sie erinnert uns dagegen an die Oebäude, in welche auf unter-
italischen Vasenbildern die Hauptpersonen der Darstellung häuhg
gesetzt werden, und an die Tempelchen der Rückseiten, in denen
das Bild, wie man annimmt, des Verstorbenen, dem das Gefäss
ins Grab gegeben wurde, erscheint.
Das Adierscepter als Attribut des Zeus ündet sich in zeich-
nenderKunst erst auf unteritalischen Vasen'). Wir verwendeten
oben (§ 46) bereits diesen Umstand zum Nachweis der späteren
Entstehung zweier ))attischer« Vasen. Ich giaube, wir dürfen noch
weiter gehen und hier die Einwirkung italischer Kunstdarsteliun-
gen sehen. Kennen wir doch auch aus grieehischer Plastik die-
ses Attribut nur beim Zeus des Phidias und bei dem Zeus Phiiios
des jiingeren Polyklet; die beiden anderen Beispiele aus archai-
scher Zeit, der kapitoiinische Juppiter und eine sicilische Münze,
weisen uns nach dem Westen. Auch Sittl (Adler und Weltkugel
als Attribute des Zeus, Fleckeisens Jahrb., XIV. 8uppl.-B.), dem
ich hier folge, scheint (p. 20 d. Sep.-Abdi.) aus diesen Thatsachen
die Ueberzeugung von dem italischen Uisprung der beiden streng-
rotf. Vasen gewonnen zu haben.
Beachtung und weitere Untersuchung verdient die Bemer-
kung Kleins (Euphronios p. 227), dass ))der frühe Archaismus und
die Lokalfabrikation Unteritaiiens ihrem Mythenrepeitoir nach
öfters grosse Verwandtschaft zeigen, so in der Benutzung* des
thebanischen Sagenkreises, des Sagenkreises der Argo.« Es ist
möglich, dass wir es hier mit einem zufälligen, durch die Gleich-
zeitigkeit der Fabrikation veranlassten Zusammentrelfen zu thun
haben; dass indessen diese Veiwandtschaft auch durch die Gleich-
heit des Bodens und der Nationen bedingt sein kann, wird Nie-
mand leugnen dürfen. Künftige Forschungen, namentlich wohl
auch mit Berücksichtigung der pompejanischen Wandmalereien,
werden über diesen Punkt helleres Licht verbreiten.

') Das Vogelscepter des Pluto &uf der ecbtkorinthischen Vase A. Z. 1859,
Taf. 125, 3 kornrnt hier nicht in Betracht.
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