Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 138
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letzteren Gruppen, die der Cyrennica (Mon. d. I. X, 47, 47 c,
e—g; 48 und 48 a—d) und die italische. Die cyrenäischen Gefässe
wcrdcn durch die beigefügten Archontennamen als sicher attische
Exportware hexeugtAuf der grossen Masse der italischen
fehlen die Archontennamen. Dazu kommt ihre starke stilistische
Verschiedenheit von den cyrenäischen Preisvasen, auf die Brunn
(a. a. O.) zur Geniige hingewiesen hat: AYh' finden hier weder
die echt altertümliche Naivetät (Burgon), noch die Sorglosigkeit
einer innerlich freien liunst, welche sich um historische Treue
wenig kiimmert (Cyrenaica); wir erhalten vielmehr hei der Be-
trachtung einer grösseren Reihe den Eindruck der Einförmigkeit,
wie sie nur die Folge der äusserlichen, unselbständigen Repro-
cluktion eines gegebenen Typus sein kann.(( Der gleiche Unter-
schied iibrigens auch in den Reversbildern: die der cyrenäischen
Vasen durchaus frei und malerisch, die der italischen gebunden
und archaisierend. Weisen denn nicht diese beiden Thatsachen,
die mangelnde ofticielle Signatur und der stilistische Unterschied,
deutlich darauf hin, dass die Heimat deT italischen I'reisgcfässe
eine andere ist als die der cyrenäischen, sicher athenischen? YVas
hätte es für Zweck gehabt, diesen die Archontennamen heizu-
schreiben, jenen nicht? Für Afrika freie Nachbildungen, für
Italien dagegen ängstliche Kopien eines archaischen Vorbildes zu
producieTen? Ylan hat eben in Italien das einheimische Oel unter
attischer Etikette in den Handel gebracht. Genau ebenso ver-
kaufen deutsche Händler ihre Schaumweine unter französischer
Ylarke als echte Champagner. Die wenigen auf italischem
Boden gefundenen Gelasse, die mit Archontennamen signiert sind
(Mon. d. I. X, 47, a und b: Caere; ebenda d: Capua), vermögen
unsere Behauptungen nur zu verstärken. Denn einmal tritt ihre
verschwindend geringe Anzahl neben der iiberwiegenden Menge
der nichtsignierten bedeutsam hervor, und zweitens stehen die-
selben stilistisch ganz auf der Stufe der cyrenäischen Preisvasen,

') Warum hat Athen sein Oel gerade naeh der Cyrenaica exportiert,
welche im Altertum dureh ihre Oelkultur grossen Ruf erlangt hatte (vgl. Heinr.
Barth, Wanderungen durch die Ifüstenländer d. Mittelmeeres, I: d. nordafrik.
Gestadeland, Berlin, 1849, p. 384 und die p. 483, Anm. 14 angeführten Citate)?
An wirkliche Siegespreise zu denken verbietet die grosse Anzahl der aufge-
fundenen Amphoren.
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