Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 140
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hellenischen Wesens soigten. In der erstgenannten Lnndschnft
hat nur Locri Vasen geliefert (Jahn, Einl. p. XXXIV); unter diesen
könnten also möglicherweise echtarchaische sein. Die Kolonien
Lukaniens jedoch und des Gehietes von Tarent, Metapont und
Heraklea liegen mit Ausnahme von Thurii sämtlich an der Küste.
Das innere Land wird, wie in Sicilien und Kampanien, in den
Händen der Ureinwohner gehliehen sein, die erst gegen 420 v. Chr.
(Mommsen, R. G. I, 351) durch ihren Kampf mit den griechischen
Koionien Thurii und Terina handelnd in die Geschichte ein-
treten. Die Hauptvasenfunde indesscn hat man nicht in den helle-
nischen Küstenstädten, sondern in Grten des Binnenlandes, wie
Anxia (Anzi), Pisticci, Armento, Castelluccio gemacht; xin den
griechischen Kolonien Metapont und Heraklea hnden sich sehr
geringe Spuren von Vasen« (Jahn, Einl. p. XLVI). Deshalh
liegt der Schluss auch hier nahe, dass die in diesen Landschaften
gefundenen Mattischenc Gefässe aus einer Zeit stammen, in wel-
cher der Hellenismus sich nicht mehr auf einzelne von Beginn
an hellenische Städte beschränkte, sondern wo er auch die früher
barbarischen Gegenden des Innenlandes seiner Herrschaft unter-
worfen hatte. Vgl. Moinmsen, R. G. I, 354.
Einzelne stilistische Indicien späterer Zeit hahen hereits hei
Besprechung der kampanischen und sicilischen Vasen, von denen
diese süditalischen Gefasse schwer zu trennen sind, ihren Blatz
gefunden.
Eine zweite Frage ist es, oh nicht die Gefässe strengeren
Stils in diese Länder im 3. Jahrh. aus Athen exportiert sein könn-
ten. Die Betrachtung der politischen Verhältnisse hat uns ge-
zeigt, dass vor dieser Zeit die Fabrikation gemalter Vasen, in
Apulien wenigstens, kaurn anzunehmen ist. Der Export. s.-f. und
streng-rotf. Vasen von Athen nach Apulien wiirde also zur näm-
lichen Zeit stattgefunden hahen, wo in Apulien eine selhständige
weitverzweigte Gefässfahrikation sich zu entwickeln begann. Das
Widersinnige dieser Annahme leuchtet von selhst ein. Ehenso
unwahrscheinlich ist der Gedanke, dass von Kampanien aus Ge-
fässhandel nach Apulien hetrieben worden sei. Wir werden
ausserdem uns auch hier auf die Notiz von der Aufhndung eines
Vasenofens in Uria in Kalabrien herufen diirfen (Jahn, Einleit.
p. XXXVI, Anm. 195; Bull. d. I. 1834, p. 56), wo man haupt-
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