Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 145
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inan wiid die flauptmas.se diesei südrussischen Gefässe schweilich
vor das 3. Jahrh. setzen dürfen. Und überhaupt, weshalb sollen
dieselben nicht an Ort und Stelle verfertigt worden sein? Der
Hellenismus stand daselbst in hoher Blüte; die Macht der Herren
von Pantikapaion, der bosporanischen Könige, umfasste zu Lande
die Ostküste der Maiotis, ihre Flotte beherrschte das schwarze
Meer (Mommsen, R. G. 11, 272 f.). Dass zu Pantikapaion Thon-
industrie betrieben wurde, lehrt uns das Oefäss des Xenophantos,
der als Fremder sein Ethnikon iJJ r vMiog nennt; von den nnäch-
tigen Lagen eines vorzüglichen Töpferthones, die sich vom Vor-
gebirge Ak-Burun bis vor die Thore der Stadt hinziehemt spricht
Neumann, die Hellenen im Skythenlande, p. 522. Auch dic
vielfachen Darstellungen der Kämpfe zwischen Arimaspen und
Greifen erinnern an Münzbilder von Pantikapaion. Dass unter
den Formen der dortigen Gefässe die Amphora dominiert (der
Petersburger Katalog zählt deren iiber 100 auf), welche in Athen
sehr selten vorkommt, könnte seinen Grund in der Beschatfenheit
der Gräber haben; muss es aber nicht auffallen, dass eine ganze
Klasse von Bildern — ich nenne als Beispiele die schönen auf
den Demeterkult bezüglichen und das rätselhafte auf die Bera-
tung zwischen Zeus und Themis gedeutete —, welche sich schon
durch eine ganz besondere Kompositionsweise auszeichnen, meines
Wissens bisher in Athen nicht gefunden worden ist? Ist nicht
iiberhaupt der künstlerische Charakter gerade dieser Gefässgruppe
ein von dem der echtattischen Vasen verschiedener? Auch wenn
wir das von dem russischen Zeichner der Compte-rendus in die
Abbildungen hineingelegte national-slavische Element in Abzug
bringen? Wir diirfen hier der feinen Beobachtungen Strubes
(Studien iiber d. Bifderkreis v. Eleusis p. 97 f.) gedenken, die
uns über die Gründe dieser Verschiedenheit aufklären w erden.
Hch inuss otfen gestehen, dass ich diese Bilder in vielen Be-
ziehungen viel eher eigentümlich als wirklich schön üncien kann.
Gehen wir von ihrer Gesamtwirkung aus, so müssen wir zu-
geben, dass das innere Leben, der einheitliche Guss fehlt; be-
trachten wir die einzelnen Figuren in ihrem örtlichen Verhältnis
zu einander, so werden wir zu derselben Beobachtung gedrängt.
Selten einigen sich die Glieder einer Gruppe in der Linienfüh-
rung zu einem harmonischen Ganzen, zu einem schönen Rhyth-
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