Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 159
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ich mich in der Hauptsache auf die Berlinei' Sammlung, die ich
aus eigener Anschauung kenne, und auf die 100 Lekythen der
Sammlung der archäol. Gesellschaft zu Athen (Collignon 259 his
359), die wir wohl mit Sicherheit einer späteren Zeit zuschreiben
dürfen. Es zeigt sich da, dass auf den attischen Vasen das my-
thische Element sehr zurücktritt. Troisches hahen wir nur Weniges;
Scenen wie das Parisurteil und der Ringkampf von Peleus und
Thetis stehen in der Mitte zwischen Mythus und Genre, sie sind
gewissermaassen ))heroisierte Genrebildern. Stark vertreten sind
allein Darstellüngen der Thaten des attischen Nationalhelden
Herakles; die Ahenteuer des Theseus treten auffallenderweise in
den Hintergrund. Sonst nehen dionysischen Scenen, die sich
sehr häuüg finden, fast nur Genrehilder der mannigfachsten Art.
Diese fehlen allerdings auch auf den italischen Vasen nicht, doch
beanspruchen sie dort seltener die Bedeutung eines selhständigen
Bildes. in den meisten Fällen sind sie auf die Rückseiten oder
Schulterstreifen der Amphoren und Hydrien oder auf die Innen-
Aächen der Schalen gewiesen. Ueberhaupt muss man scheiden
zwischen Darstellungen, die einer individuellen Charakteristik,
eines mythischen Gehaltes enthehren (Jahn, Einl. p. CLXVI) —
Schlachtscenen, Zweikämpfe, Rüstungen, Auszüge, Entführungen,
Heimführung gefangener Frauen u. s. w. — wie 'sie sich auf s.-f.
italischen Vasen sehr häuüg ünden, und andererseits wirklichen
Genrehildern, die dort alierdings auch nicht gänzlich fehlen, aher
doch — als selhständige, nicht nur dekorative Kompositionen —
in den Hintergrund treten. Auf griechischen s.-f. Vasen Anden
wir sie dagegen häuüger. So zähle ich unter den ungefähr 75
griechischen s.-f. Vasen der Berliner Sammlung 14 Darstellungen,
die dem Gebiete des reinen Genres angehören, z. B. Reisender
(1911), häusliche Scene (1974), Frauenarbeit (2098), Threnos (2104).
Ich hehe hier namentlich die Scenen der Frauenarheit (2098) und
des häuslichen Gespräches (1974) hervor (eine ähnliche Darstel-
lung hei Collignon 341), die man auf italischen Vasen wohl ver-
gehlich suchen würde. Auch Darstellungen des Threnos (2104;
ehenso Coll. 338) sind mir von italischen Gefässen nicht hekannt.
Auch im tektonisch-rotüg. Stile tritt in Griechenland das my-
thische Element fast ganz zurück. Wie es sich damit in Italien
verhält, zeigt ein Blick auf den Darstellungskreis der streng-rotf.
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