Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 161
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Kompositionen; indess treten die letzteren doch nicht so durch-
nus in den Ilintergrund wie in Crriecheninnd. (dorade die schön-
sten itnlischen Beispiele dieses Stiis der Berliner 8a,mmlung
(2521, 2530, 2531, 2534, 2536—38, 2547) sind mythologisch. Ich
erinnere ausserdem noch z. B. an die Kodrosschale und den
Kantharos des Epigenes mit dem Abschied Achills: Darstellungen,
wie sie sich auf griechischen Gefassen dieses Stils hisher nicht
gefunden hahen. Auch auf da,s gänzliche Fehlen weissgrundiger
Lekythen mit ihren schönen sepulcralen Darstellungen sei hier
nochmals entschieden hingewiesen: lagen dieselben etwa dem
Gedanken- und Geftihlskreise der kampanischcn und sicilischen
Ilellenen fern?
Diese ganzen Bemerkungen iiber die Verschiedenheit in den
Darstellungen auf griechisehen und italischen Vasen können ilner
Natru' nach nur erst andeutende sein. Manche Beobaclitung mag
mangelhaft oder unrichtig sein, manche nur beschränkte Geltung
behalten. Man entsehuldige dies mit der Schwierigkeit einer
derartigen Untersuchung und mit meiner geringen, durch eigene
Anschauung erworbenen Materialkenntnis. Aber die Thatsaehe,
dass gewisse* Verschiedenheiten iiberhaupt existieren, wird, so
hotfe ich, Anerkennung Anden und zu weiteren Forschungen
Anlass geben.
80. Meine Ansichten werden lebhaften Widerspruch erfahren.
Ich kann noch nicht wissen, wclche Argumente man gegen mich
vorbringen wird. Einigen voraussichtlieh zu erwartenden sei in-
dess hier bereits im voraus begegnet.
))Der attische Charakter der Darstellungen!« Aber tritt der-
selbe wirklich so stark hervor? Herakles war Nationalgott der
Kampaner so gut wie der Athener (lleloch p. 53); der Kult der
Demeter blirhte in Neapel (p. 52), Kyme (156), Puteoli (105),
Capua (331), und die in Kyme gefundene Reliefvase mit eleusi-
nischen Darstellungen (Gerhard, Bilderkreis z. Eleusis 111, Taf. 3;
ges. akad. Abh., Taf. 78; Bull. Nap. N. 8. 111, 1854, p. 73) nicht
für am Fundort gefertigt zu halten liegt nicht der geringste Grund
vor. Der Olhandel horierte in Capua so gut wie in Athen (Beloch
p. 337); Eulen finden wir auch auf den Miinzeh der apulischen
Städte Teate (Friedländer, d. osk. Münzen, Taf. VII) und Ruvo
(Cat. Jatta, 1775—91), und ebenso vielfach auf oskischenMünzen
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