Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 166
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Gefässe. Mnn beiuft sich datiei auf die bekannte Rosssche Va-
senscheibe aus dem Schutte des voipeisischen Paithenon (Ross,
ai'cli. Aufs. I, p. 140, Taf. X), die in dei' neueren Vasenlitteratur
eine grosse Rolle spielt. Dieselbe steht stilistisch den Arbeiten
dcs Rpiktet nahe (Klein, Euphronios, p. 38 f.); ihr Fundort be-
weise das hohe Alter dieser gesamten Kategorie. Es ist nun an
sich schon bedenklich, auf einem so schwankenden Grunde ein
ganzes grosses Gebäude aufzuführen. Wie mir Treu versichert,
der durch seine Thätigkeit in Glynipia gewiss Gelegenheit gehabt
hat, rciche Erfahrungen zu sammeln, ist Nichts bedenklicher, als
aus Fundangaben chronologische Schliisse ziehen zu wollen. Reim
Graben wird das aufgeworfene Erdreich locker und rutscht nach,
so dass die jüngere Schicht sich mit der älteren vermischt; oder
es hat bereits im Altertum der Druck der darüber lastenden Erde
die Decke eines Grabes durchbrochen, in dem dann Erzeugnisse
früherer und späterer Kunst ohnc Unterschied neben einander
sich häufen; und endhch wird man auch hier mit der Unehr-
lichkeit und Gewinnsucht der Arbeiter zu rechnen haben. AbeT
selbst wenn alle diese Bedenken bei den Ausgrabungen von Ross
nicht vorhanden gewesen sein sollten, so sind wir doch in der
angenehmen Lage, eine bisher iibersehene Notiz beibringen zu
können, die die Annahme, der ausgegrabene Schutt, habe dem
alten Ilekatompedos angehört, als im höchsten Grade bedenklich
erscheinen lässt. Im Bull. d. I. 1867, p. 72 ff. (bes. p. 79) be-
lichtet Pervanoglu über Ausgrabungen des Jahres 1866 an der
nämlichen Sridostecke, wo auch Ross gegyrben hat. Man hat da-
selbst mit Ausnahme von korinthischen Gefässen, von weissgrun-
digen Lekythen und Vasen mit Kinderscenen Gefässe a ller Stil-
arten gefunden, mit s. und mit r. Figuren. Das Fehlen der
korinthischen Vasen erklärt sich durch den attischen Fundort;
Grabgefässe und Kinderspielzeug wird Niemand in einem Tem-
pelbezirke erwarten. Pervanoglu spricht sich gegen die Annahme
von Ross aus, dass diese Gefässe noch aus der vorpersischen
Periode seien. Der alte Hekatompedos ging durch Brand zu
Grunde, wie auch erhaltene architektonische Reste bcweisen (vgl.
Michaelis, Parthenon p. 119 f.). Der grösserc archaischeTeil der
Gefässfunde zeige aber keine Spuren von Feuer, und da sich
ausserdem noch Vasen des 4. Jahrh. daselbst gefunden haben, so
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