Arndt, Paul  
Studien zur Vasenkunde — Leipzig, 1887

Seite: 169
DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arndt1887/0185
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
169

beha,upten, dass mir die Tilgung aller Schwieiigkeiten gelungen
ist; ich habe a8tudien<f, keine o&eschiehte« geben wollen. hlg
ou mchbod. 80 liegt in den Fundnotizen dei Gefässe,
die ich nur späilich habe beiücksichtigen können, ein leiches
Mateiial füi odei gegen uns veiboigen. In eistei Linie galt es
mii, die von meinem Lehiei angeiegten Fiagen dei Veigessen-
heit zu entieissen, in die sie gebannt woiden sind, voi dem Wege,
den man jetzt zu gehen sich gewöhnt hat, zu wamcn , die Bahn
zu weiteien Foischungen zu eiöifnen. Dei Eifolg wiid zeigen,
in wie weit mii dies gelungen ist; im Inteiesse dei Sache bitte
ich um stiengste und genaueste Piüfung meinei Ansichten. Denn
wenn sie zu Recht bestehen bleibcn, so weiden sie von weittia-
gendei Bedeutung sein, nicht nui füi unsei begienztes aichäologi-
sches Gebiet, sondein füi die gesamte Alteitumswissenschaft.
Diese Piobleme zu eiledigen ist deshalb nach meinei Uebeizeu-
gung die nächste Aufgabe dei Vasenkunde; eist wenn sie gelöst
sind, düifen wii nach dem Veihältnis der Vasen zui hohen Kunst
und zur Entwicklung der poetischen und mythischen Stotfe fia-
gen. Jedenfalls wiid in Zukunft giösseie Voisicht und Genauig-
keit geboten sein, und ich will es als geniigenden Lohn meinei
Arbeit betiachten, wenn es mir gelungen ist, den Glauben an
Sätze zu eischüttein. wie: oDcs Beweises, dass sämtliche ))))at-
tische«« Gefasse auch attischen Uispiunges sind, sind wir bei dem
heutigen Stande dei Foischung übeihoben. Stilistisch gleichaitige
Weike des Kunsthandwerks sind eben zu ein und deiselben Zeit
und an ein und demselben Orte entstanden. Die nicht wenigen
b Mit wetcher Leichtfertigkeit und Voreiligkeit die jüngste Vasenfor-
schung' arheitet, dafür nur ein Beispiel. Bei Gelegenheit einer Besprechung
der Kleinschen Meistersignaturen (in einem der letzten Hefte der Berl. Litt.-
Ztg.) hemerkt der Recensent Folgendes: "Epiktetos schreiht'hrTTKp/oy xrr^oy.
Einen von den verwünschten Tyrannennamen, welche in Athen erst nach lan-
ger Pause wieder auftreten, in dieser W^eise zu verwenden, das kann kurz nach
dem Tyrannenmord keiner von den Vasenmalern gewagt hahen, welche sich ja
selhst an derVerherrlichung der "Befreier« heteiligten. DieserHipparchos ist
kein anderer, als der populäre jüngere Sohn des Peisistratos. Also hat Epi-
ktetos schon vor 514 gemalt.« Sehon ein Rüchtiger Blick in Pape's Wörterhuci)
der griechischen Eigennamen würde genügt hahen, um den Recensenten eines
Besseren zu belehren. Nach Dion. Hah 6, 1 war 01. 71, 1 ein Hipparchos
Archon. Gegen eine derartige Behandlung unserer Wissenschaft müssen wir
uns mit den schärfsten Waifen zur Wehre setzen.
loading ...