Arnold, Friedrich  
Über den Ohrknoten: eine anatomisch-physiologische Abhandlung — Heidelberg, 1828

Seite: 20
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düngen ein, die in dem Pankenfell und äusseren Ohrkanal sich ver-
zweigen.

Stellt man in Bezug auf die äusseren und inneren Eigenschaften
des Ohrknoten Vergleiehungen mit anderen in dieselbe Kategorie ge-
hörenden Ganglien, nämlich dem Augen-Gaumenkeilbein- und Rie-
fer-Knoten an, so ergiebt es sich, dass er sehr grosse Aehnlichkeit
mit dem Augenknoten in Lage, Gestalt, Grösse, im Bau und in sei-
nem Verhalten zu benachbarten Theilen darbietet, sich in gewisser
Hinsicht auch dem Kieferknoten nähert, am wenigsten aber mit dem
Meckel'schen Knoten übereinkömmt. Geht man in eine noch genauere
Vergleichung des Ohr - und Augenknoten ein, so erhellt offenbar,
dass beide in ihrer Lage grosse Uebereinstimmnng darbieten, indem
jener in einer ähnlichen Beziehung zum dritten Ast des dreigetheilten
Nerven liegt, wie dieser zum erstem, dass beide eine eiförmige,
platte Gestalt haben und in ihrer Grösse nicht sehr von einander
verschieden sind, dass selbst im Bau beider eine grosse Uebereinstim-
mung Statt findet, obgleich der Ohrknoten in dieser Hinsicht, so
wie in seiner Farbe und Consistenz am meisten dem Kieferknoten
ähnelt. Eine besonders interessante, höchst wichtige Aehnlichkeit
aber ist die gleiche Beziehung, in welcher jene beide Knoten zu den
zwei edelsten Sinnesorganen, Gesicht und Gehör stehen.

Aus dem bisher Gesagten erhellt, dass der Ohrknoten in eine
und dieselbe Abtheilung mit dem Augen-Meckelschen- und Kiefer-
knoten gehört, und dass diese vier Ganglien eine besondere Klasse
bilden, welche von Scarpa ganz übergangen worden ist. Dieser 1)
theilt nämlich, und mit ihm die meisten Anatomen, die Knoten in
einfache und zusammengesetzte, von denen erstere die Spinalganglien

1) A. Scarpa: anatomicarum annotationum liber primus. De nervorum
gangliis et plexubus. Mutinae 1779.
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