Arnold, Friedrich  
Über den Ohrknoten: eine anatomisch-physiologische Abhandlung — Heidelberg, 1828

Seite: 37
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Auf der einen Seite ist also durch die Entdeckung dieses Gang-
lion mehr. Licht in die Lehre ron der Verrichtung einzelner Theüe
des Gehörorgans gebracht, und auf der andern die Analogie dieses
Organs mit dem Auge noch mehr hervorgehoben worden. Jetzt erst
lässt es sich einsehen, wie die Bewegungen des Trommelfelles auto-
matisch erfolgen; denn früher, wo man blos Fäden vom Antlitzner-
ven zum Paukenfellspanner zu finden glaubte, war es unerklärlich,
dass die Wirkung dieses Muskels eine unwiUkührliche ist, indem er
den früheren Untersuchungen zufolge von einem blos zu willkühr-
lichen Muskeln gehenden Nerven Zweige erhielt.

Das Nichtübereinstimmende der Beobachtungen der Anatomen
mit der unwiderleglichen Annahme, dass die Thätigkeitsäusserung
des Paukenfellspanners eine automatische ist, musste man bei genauer
Erwägung der Sache und tieferem Nachdenken hierüber fühlen, und
es suchten sich daher auch Einige dadurch zu helfen, dass sie durch
die Verbindung des dem Gangliensystem zum Theil angehörigen ober-
flächlichen Felsenbeinnerven mit dem Antlitznerven die Fädchen von
diesem zum musc. tensor tympani nicht ohne Antheil des vegetativen
Systems gebildet betrachteten. Wenn gleich durch eine solche An-
sicht jene Inconsequenz in etwas gehoben wurde, so blieb dabei doch
noch so mancher Punkt unerklärt.

Durch die nun zu liefernde Deutung der im ersten Abschnitt mit-
getheilten Beobachtungen hoffe ich den Physiologen über diesen Ge-
genstand einen nicht unwichtigen Aufschluss zu geben. Ehe wir je-
doch unsere Meinung in dieser Beziehung aussprechen, und insbeson-
dere in eine weitere Auseinandersetzung der oben berührten Ansicht
über die Bedeutung des Ohrknoten eingehen, wollen wir noch in
Kürze darzulegen suchen, welche Verrichtung den Ganglien über-
haupt und zumal den zu den Sinnesorganen gehörigen zukommt.

Ungeachtet der grossen Verschiedenheiten der bisherigen Ansich-

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