Arnold, Friedrich  
Über den Ohrknoten: eine anatomisch-physiologische Abhandlung — Heidelberg, 1828

Seite: 38
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1828/0038
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
38

ten über den Nutzen der Nervenknoten erkennen wir doch in ih-
nen zwei Haupttendenzen; denn es suchen die Physiologen die Be-
deutung derselben im Allgemeinen entweder auf eine mehr mechani-
sche oder mehr dynamische Weise zu erklären. Einige nämlich, wie
Meckel d. Aelt., Zinn, Scarpa, glauben, dass die Ganglien dazu die-
nen, die Verzweigung, feinere Vertheilung der Nerven zu erleich-
tern, die innige Vermischung der Nervenfäden zu bewirken, ihre
Vereinigung, Trennung u. s. wvzu begünstigen, ja sogar die Aeste
eines und desselben Nerven bequem zu verschiedenen Theilen zu lei-
ten; andere aber, wie Willis, Petit, Bianchi, Winslow, beson-
ders jedoch Johnstone, Unzer, Metzger, Bichat, Reil schreiben
ihnen eine höhere Bedeutimg als die eben genannte zu, indem einige
von ihnen annehmen, dass die Knoten dazu bestimmt seyen, den ge-
genseitigen Einfluss des Cerebral- und Ganglien-Systems zu massigen,
ja selbst zu verhindern, andere sie als Centralpunkte und Quellen
der Nerventhätigkeit und in so fern als kleine untergeordnete Hirne
befrachten, und wieder andere diese beiden Ansichten mit einander
vereinigen, welchen letzteren auch wir beitreten zu müssen glauben.
Diesem nach sehen wir also in den Ganglien theils die Central-
organe für die Nerventhätigkeit, indem sie, wie das Gehirn, sowohl
den Nerven mitgetheilte Regungen aufnehmen und ihnen gemäss wie-
der auf die Organe zurückwirken, als auch selbst Reize erzeugen,
theils aber erscheinen sie uns als Isolatoren, da sie sowohl die. Lei-
tung zum Gehirn als auch die von diesem Organ in gewissem Grade
hemmen, so dass auf der einen Seite die dort Statt findende Empfin-
dung nicht zum Bewusstsein kommt, auf der anderen der Einfluss
des Willens auf die Gebilde jenseits der Knoten abgehalten wird.
Dieses Vermögen der Ganglien zu isoliren findet jedoch nur in einem
gewissen Grade Statt, denn wenn die einwirkenden Reize zu heftig,
zu bedeutend sind, so kann auch durch das Gangliensystem die Lei-
loading ...