Arnold, Friedrich  
Über den Ohrknoten: eine anatomisch-physiologische Abhandlung — Heidelberg, 1828

Seite: 39
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tung geschehen, wie man diess in Krankheiten zu beobachten sehr
oft Gelegenheit hat. In diesem Sinn muss man eS deuten, wenn Reil
sagt: „Die Ganglien scheinen nicht allein als Isolatoren, sondern,
auch als Conductoren betrachtet werden zu müssen«,

Wir wollen noch in der Kürze die Gründe geben, welche für
unsere Behauptung sprechen, indem wir zuerst zeigen, dass die Ner-
venknoten den gegenseitigen Einfluss des Ganglien- und Cerebral-
Systems in gewissem Grade hemmen.

Folgende Thatsachen und Erscheinungen können wir als Belege
für diesen Punkt anführen: ■ 1. der Wille hat auf die Vermehrung
und Verminderung der Thätigkeiten der Organe des vegetativen Lebens
keinen unmittelbaren Einfluss und eben so wenig haben wir von den
Vorgängen des bildenden Lebens eine bewusste Empfindung. So oft
aber die auf die Verzweigungen des Gangliensystems einwirkenden
Reize zu heftig und stark sind, so wie auch wenn die Thätigkeits-
äusserungen des Cerebralsystems einen ungewöhnlichen Grad errei-
chen, z. B. bei zu bedeutenden Geistesanstrengungen, heftigen Lei-
denschaften und Gemiithsbewegungen üben beide Theile einen gegen-
seitigen Einfluss auf einander aus, indem hier die Knoten nicht mehr
im Stande sind, die mitgetheilten Regungen abzuhalten, sondern
selbst als Leiter derselben dienen. 2. sind nicht allein die Organe
des vegetativen Lebens der Herrschaft des Willens entzogen, sondern
auch in Organen der animalen Sphäre des Organismus manche Ge-
bilde, die von Knoten mit Zweigen versehen werden, wie Iris
und Paukenfell. 3. Aus mehreren an Thieren angestellten Versuchen
ergibt es sich, dass auf der einen Seite bei mechanischen Reizungen
des Gangliensystems keine oder nur geringe Schmerzesäusserungen
erfolgen, und auf der andern Reizungen des Rückenmarks auf die
Verrichtungen der Organe des vegetativen Lebens keinen sehr bedeu-
tenden Einfluss haben. 4. Nach den Versuchen von Magendie sind
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