Arnold, Friedrich  
Über den Ohrknoten: eine anatomisch-physiologische Abhandlung — Heidelberg, 1828

Seite: 41
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Um den anderen Satz, dass nämlich die Nervenknoten als Mit-
telpunkte und Quellen der Nerventhätigkeit angesehen werden müssenj
geltend zu machen, glaube ich folgende Beweise angeben zu können:
1. Bei verminderten oder selbst aufgehobenen Verrichtungen des ani-
malen Nervensystems können die des vegetativen noch fortdauern.
So sehen wir beim Schlagfluss und einigen andern Krankheiten, in'
denen die Thätigkeit des Cerebralsystems geschwächt und selbst auf-
gehoben ist, wo Empfindimg und Bewegung, alle Sinnes- nnd Gei-
stesthätigkeiten verloren sind, dennoch die Processe-des pflanzlichen
Lebens vor sich gehen. So leidet die Verdauung, der Kreislauf und
die Bildung des Bluts, wie mehrere Experimentatoren a) gezeigt
haben, nicht unmittelbar, sondern es können diese Processe noch
einige Zeit nach Wegnahme des Gehirns oder Rückenmarks, wenn
man das, Athmen künstlich unterhalt, fortbestehen. 2, Aus den
Versuchen von Petit und von Dupuy erhellt, dass nach Wegnahme
des ersten Halsknoten nicht allein die Ernährung des Auges, sondern
die Ernährung überhaupt bedeutend leidet. 3. Es giebt Fälle von
Missbüdungen, in denen Gehirn und Rückenmark fehlen, Ganglien-
system aber und Organe des vegetativen Lebens gehörig, ja selbst
mehr als gewöhnlich ausgebildet sind. 4. In solchen niederen Thie-

a) Es ist durch die Experimente von Bichat, Emmert und Legallois zur
Evidenz gezeigt, dafs die Bewegungen des Herzens nicht unmittelbar vom Ge-
hirn durch das lOte Paar, wie die Aelteren lehrten, abhängen, und dafs somit
dieses Paar keinen unmittelbaren Einfluss auf die Bewegungen des Herzens hat-
Es ist ferner durch die Versuche von Wilson Philip, Treviranus, Clift, Kasse
und Flourens gegen die Behauptung von Legallois ausgemacht, dass die Bewe-
gungen des Herzens,eben so wenig vom Rückenmark als vom Gehirn unmittelbar
abhängen, und dass es nur mittelbaren Einflufs auf dieselben habe. Endlich be-
obachteten Monro, Fowler, Meyer und Arnemann nach Durchschneidung der Ner-
ven der Extremitäten, blos Verlust der Empfindung und Bewegung, aber keine
Störung in der Ernährung.

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