Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 3
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Durch die Vergrösserung der Familien, hei der immer wachsenden Kultur
des Feldbaues entstand der erste Anfang der bürgerlichen Gesellschaft.
Diesen gesellschaftlichen Verbindungen haben die Städte und Dörfer ihren
Ursprung zu danken; vorzüglich aber durch den mächtigen Trieb, seine
Empfindungen Andern mitzutheilen, den jeder Mensch gleichsam als eine
wohlthätige Eingebung der Vorsehung in sich fühlt, geleitet.

Gegen Räuber und unvermuthete Ueberfälle umzog man solche neben
einander gereihete Wohnungen mit Mauern, woraus Städte entstunden.

Die erste solche bürgerliche Gesellschaft, mit der uns die Geschichte
bekannt macht, ist die, welche sich in der Familie Kain's bildete. Avis
den Wohnungen dieser Ackerleute entstand die Stadt Kain's, welche den
Namen seines Sohnes Hanoch führte.

So war der erste Schritt zur Kultur gethan, und damals verehrten die
Bewohner jener Städte gewiss auch schon in heiligen Stätten oder kleinen
Tempeln ihre Gottheiten.

Viele Jahrhunderte mögen verflossen seyn, ehe die Idee ihre Empfin-
dungen auch im allgemeinen Beschauen durch Schönheit auszudrücken,
das Rohe und Riesenmassige in der Bauart verdrängt, und man das
Nothwendige mit dem Schönen verbunden hatte.

Vergleichungen und Mittheilungen ihrer Empfindungen mussten stufen-
weise ihre Ansichten, ihren Geschmack veredeln. So erwachte endlich
das Gefühl des Schönen, das sie gewiss auch auf alles, was sie umgab,
und besonders bei den öffentlichen Gebäuden, worin sich die Menschen
immer mehr vereinigen und an einem allgemeinen Zweck Antheil nehmen
konnten, anzuwenden suchten. Ich übergehe die Zeiträume jener alten
Völker, wo noch zu Vitruv's Zeiten im zukünftigen Wohnsitze der Musen
zu Athen, als Denkmal des Alterthums, das von Lehm gefertigte Dach des
Areopagus vorhanden war. Ingleichen wo auf dem kapitolinischen Berge
in der heiligen Burg die mit Stroh gedeckte Hütte des Romulus die Sitte
der Vorzeit erinnerlich und anschaulich machte (Vitruv. üb. II, cap. 1,
pag. 66, edit. Angl. v. Rode).

Es würde uns eben so wenig zum wesentlichen Theile der schönen
Baukunst nützen, als wenn wir Untersuchungen von der Baukunst bei
vielen Völkern machen würden, die noch das Gepräge der Rohheit und
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