Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 4
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Wildheit an sich tragen, wie z. B. jetzt noch die Einwohner in den
Städten Loheja und Thama in Arabien in schlechten Hütten wohnen.

Wir wollen .daher gleich zn jenen Völkern übergehen, bei denen die
Kultur und mit ihr, als natürliche Folge, die Kunst am höchsten war.

Die Griechen waren die ersten, die durch edle Einfachheit über alle
andern Völker die höchste Vollendung in der Baukunst erreicht haben,
als Indier, Egyptier u. s. w.

Entflammt vom heiligen Feuer der Vesta, der Erfinderin der Kunst zu
bauen (Diodor SicLib. V), brachten die Künstler Griechenlands die Bauart
der Tempel und anderer öffentlicher Gebäude, in welchen erstere zwar
schon früher Völker Götter verehrten, zur Vollendung der Kunst.

Von der niedern Hütte an bis zum prächtigen, ehrfurchteinflössenden
Tempel schuf der Genius des Schönen Werke, die noch bis jetzt unüber-
troffen und wie eine Offenbarung der Baukunst allen kommenden Genera-
tionen fortleben.

So stehen unter den vielen Tempeln, die die Griechen in ihren Provinzen
errichtet haben, noch jetzt zwei im schönsten und ältesten dorischen Styl
ausgeführte Tempel auf den Trümmern der alten Stadt Posidonia oder
Psestum, am Ufer des mittelländischen Meeres, gleich als wären sie zur
Unsterblichkeit von ihren Gottheiten aufbewahrt.

Ungeachtet gleich in früheren Zeiten die Baukunst in Griechenland zu
gedeihen anfing, so war doch erst nach den Verheerungen der Perser und
nach gänzlicher Zernichtung ihrer schönsten Städte die schöne Epoche
der Kunst.

Die Perser eroberten erst die kleinasiatischen Besitzungen der Griechen,
Attika und die Besitzungen des Peloponnes, verwüsteten den grössten Theil
der griechischen Städte. Jonien war am meisten ihrer Rache ausgesetzt,
und so wurde der grösste Theil von den ansehnlichsten Tempeln ein Kaub
der Flammen (Paus. VII, 5).

Der Tempel der Diana zu Ephesus, der später durch die Künstler
Demetrius und Paronius vollendet wurde, blieb allein unversehrt stehen
(Strabo XIV, pag. 941).

Noch zu Pausanias Zeiten waren um Athen und in andern Gegenden
Trümmer von dieser Verheerung zu sehen (Paus. X, 35).
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