Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 12
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gessliclien Kaiser der schöne Wunsch gelang, nach seiner Regierung die
prachtvollste Stadt der damaligen Welt zu hinterlassen, setzte sein Eidam,
Agrippa, das noch jetzt blühende Monument, das Pantheon, das er dem
Jupiter Ultor und allen übrigen Göttern weihete.

Noch einige der folgenden Kaiser erhielten den Glanz in Rom,
errichteten Werke, die der reinsten Kunst an die Seite gesetzt zu werden
verdienen.

Selbst durch Nero's grausame Maassregeln wurde Rom sehr verschönert,
die willkührlichen Strassen und schlechterbauten Wohnhäuser wollte er
mit den öffentlichen Gebäuden in Harmonie setzen. Schön war sein Plan,
allein hart die Ausführung.

Von vierzehn Regionen der Stadt blieben nur noch vier unversehrt
nach seinem angeordneten Brand stehen (Sueton Nero XXXVIII. Tacit.XV, 38).

Auf dieser Brandstätte legte er nun gerade Strassen mit öffentlichen
Plätzen an, die von steinernen Häusern mit Säulengängen eingeschlossen
waren (Tacit, Annal. XV, 43. Sueton Nero XVI).

Von Vespasian an bis zu den Antoninen hörte die Baukunst auf, den
Namen Kunst zu verdienen, und wie eine Ejudemie wirkte sie schädlicher,
als durch die gänzliche Zernichtung auf den traurigsten, zwecklosesten
Verzierungs- und Modengeschmack, wovon der sogenannte Goldschmieds-
bogen deutliche Beweisse gibt.

Von dieser Zeit kaufen willkührliche Verknüpfungen, gekuppelte Säulen,
die Verzierung der Kanelierungen, ovale Säulen, verjüngte Pilaster hinter
den Säulen, kleine Säulen zwischen grossen, runde und durchschnittene
Giebel, ausgebrauchte Friese etc. (zum verderblichen Geschmack der reinen
Baukunst) auf, und leider nur kostspielige und zwecklose Verzierungen
sollten die Mängel und den Verlust der reinen Poesie decken, so dass man
mit Wahrheit sagen konnte : « Statt des goldenen Zeitalters kam das
vergoldete. n

Nach allen aus dem grauen Alterthum gezogenen Resultaten wird sieh
die grosse Wahrheit bewähren, dass in Zeiten der kindischen Verirrungen,
im jugendlichen Alter der Welt, die erhabenste Vaterlandsliebe und eine
im Ganzen unübertroffene, sehr selten erreichte Humanität sich entwickelte,
welche sich in allen Theilen der Künste so deutlich aussprach.
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