Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 14
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erheischten eine nothwendige Abänderung in der Bauart, so mussten bei
dem heidnischen Gottesdienst die Tempel frei, hei der christlichen Gottes-
verehrung hingegen geschlossen seyn.

Wem muss es nicht auffallend seyn, dass noch viele Künstler, z. B. bei
Errichtung von Grabmälern, nur jene Allegorieen der Griechen und
Römer anbringen , die so leicht und sprechend aus der Christuslehre
genommen werden können? Wodurch doch gewiss mehr auf den Geist,
auf die schöne Hoffnung der Unsterblichkeit durch die Auferstehung
Christi gewirkt werden kann.

Durch die griecbisben und römischen Allegorieen wird zwar der Verstand
der gelehrten Welt bereichert, aber herzlos lassen sie die einfach gebil-
deten Christen, welch letztere doch die meiste Geisteseinwirkung dadurch
erhalten sollen.

Auch hierin möchte sich die Baukunst zur reinen Poesie erheben, und
die gleich einer Ejndemie verbreitete Verzierungssucht der griechischen
Allegorieen durch Bilder der Gegenwart ersetzt werden.

Aber auch das Materielle selbst hatte Einfluss auf die verschiedene Art
zu bauen ; so gaben die Holzconstructionen den ersten Anlass zu dem
griechischen und römischen, die Steinconstructionen zu dem maurischen
und gothischen Styl, daher die natürliche Folge, dass bei der griechischen
und römischen Bauart alles in horizontalen und vertikalen, bei der übrigen
aber alles in bogenförmigen Linien gewölbt ist.

Zu den Zeiten der Griechen, wo die alte Kunst lebte, hatte man für
jene Gottesverehrung drei Bauarten, dorisch, jonisch und korintisch; das
Nothwendigste durch die erste erfüllt, das Schöne durch die zweite, das
Verzierte durch die dritte.

So wie jedes Ungewitter wohlthätig und schrecklich, wie jede Umwälzung,
wirkt; so bekam durch die christliche Religion, als das kräftigste Auf-
regungsmittel der erschlaffenden Kraft, Alles einen neuen Schwung, vormals
wurden viele Götter verehrt, während jetzt ein Tempel alle Gottheiten
in Einer fassen sollte.

So wie früher die Phantasie jedem Gott eine der Verehrung angemessene
besondere Wohnung erschuf, so musste jetzt die ganze Kraft eines Genies
in einem Geistesproduct die Gottheit in einen irdischen Himmel versetzen;
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