Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 20
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Alle kleinlichten Verzierungen sind dalier an solchen Gebäuden zu
vermeiden, die nur den ernsten Charakter stören, und gar nicht in
Harmonie mit der anstosenden Stadtmauer gesetzt werden können.

(Thore an einer ganz offenen Stadt, so wie Festungsthore, machen hierin
eine Ausnahme, und müssen, hesonders letztere, ganz nach militärischen
Principien ausgeführt werden.)

An dieser äussern Ansicht eines Thores kann man daher sehr passend
allegorische Verzierungen anbringen, welche einzelne Handlungen eines
Regenten oder Untertbanen, die dem Staate denkwürdig sind, verewigen,
und den Werth des Staates oder der Inwohner bei seinem Anblick
charakterisiren.

Eben so können Trophäen oder andere Gruppen von Waffen die Hand-
habung des Gesetzes bezeichnen.

So ernst aber auch die äussere Ansicht seyn muss, so treffend spreche die
innere Ansicht die freundliche Aufnahme nach williger Unterwerfung
der Gesetze aus; gleich als trete man in den Tempel der Eintracht, wo
sich Mars mit der Minerva verbindet.

Sehr passend und sinnreich war die Idee am Thore des Pallastes vom
persischen König Dsyemschied, den Alexanders Wahnsinn einer Buhlerin
zu Liebe abbrennen liess (Diodor X. VII, 72), und welches Niebdhr in
seiner Reisebeschreibung im zweiten Theil, Tab. 20, anführt.

An der Aussenseite war das Einhorn angebracht, als Sinnbild der Stärke
des Staats, an der innern Seite der persische geflügelte Sphinx, als Symbol
der Staatsweisbeit.

Vorzüglieh könnten solche schöne Allegorieen der Stärke und Weisheit,
als Grundpfeiler eines Staates, den Eingang zum Thronsitze eines Regenten
zu dem allgemeinen Gebäude einer ganzen Nation bezeichnen.

Der Bogen des Thors ruhe auf den zwei Monumenten des Herkules und
der Minerva, als die Basis einer dauerhaften Regierungsform; einfach und
sprechend können an diesen beiden Piedeslalen die weisen, und kräftigen
Thaten verstorbener und lebender Regenten der Nachwelt aufgezeichnet
werden. So müsste Jeder, der sich dem Sitz seines Regenten naht, die
schöne Stimmung erhalten, dass er hier Schutz und Wohlfahrt zu er-
warten habe.
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