Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 23
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UEBEE ZUCHTHÄUSER IM ALLGEMEINEN,

sowohl wegen ihrer .äussern Ansicht als über ihre innere Einthcilung.

Lange mögen die Menschen der grauen Vorzeit im trauten Bunde zufrieden
gelebt haben, denn Weniges nur bedurften sie, und was sie brauchten,
um froh und zufrieden ihre Bahn su wandeln, gab aus fruchtbarem
Schoosse ihnen die Mutter Erde.

So lange durch eigenen Schweiss sich der Mann das Brod schaffte, so
lange ihn ein schattiger Baum schützte vor des Mittags Gluth, bis am
dämmernden Abend erquickt er dahin sank auf sein nächtliches Lager,
und so lange überhaupt Armuth in der stillen Hütte und Tugend in den
frohen Herzen friedlicher Bürger wohnten, schwebte über die glückliche
Gesellschaft einer Stadt des Friedens Genius, und öffnete und schloss mit
heiterm Blick die sichern Mauern der Stadt.

Aber leider nur zu bald entfloh, durch Lasterstimmen gescheucht, die
bescheidene Tugend, schnell, floh sie davon, ihr folgte der Bürger Glück.
Schmeichelnd redet das Laster, schleichend verbreitet es sich, wird grösser,
und endlich am grössten, wenn es von hohen Wirkungspuncten ausgeht.

Aber trotz den verheerenden Flammen des Lasters sprach noch aus
gulen Seelen der Tugend Stimme, und zum Besten des Staats war es, dass
noch Gerechtigkeit übte die Obrigkeit. Man dachte mit reifem Ernst,
solche Stifter von fremdem Unheil möglichst zu bessern, man entfernte
sie aus der menschlichen Gesellschaft, und jetzt baut man ihnen ihrer
Lebensart angemessene Wohnungen, welche man Zuchthäuser nennt.
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