Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 28
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den Weg zur Besserung verrammeln, möchte der Chai-akter einer einfachen
Ansicht von einem ernsten Grahmahl mehr die darin moralisch todte
Menschheit bezeichnen.

Missethäter, die auf ewig für die Menschheit verloren sind, übergebe
man daher ihrer Grabstätte, und solchen, die nur zur Besserung dahin
verwiesen, würde die Wiederentlassung eine moralische Auferstehung seyn.

Eine solche Erinnerung wird eine gewiss zurückschreckende Warnung
erwecken , und dennoch an keine harte Urtheile über Fehltritte von
Menschen gewöhnen.

Die trauernde Menschheit, als Bildsäule in der Mitte auf den höchsten
Theil des Gebäudes angebracht, würde sodann eine einfache, den Charakter
eines Zuchthauses bezeichnete Allegorie seyn. Wie passend wäre die Idee
eines Labyrinthes zu einem solchen Gebäude, wo gleichsam der Eingang
als der Hang zum Laster einladet, und sie in Irrwegen zum Ziele des
Unglücks und Verderbens leitet, aus dem man, zu tief eingedrungen,
selten und nur auf einer schweren Bahn des Zufalls sich wieder heraus-
winden kann.

Ein alter Schriftsteller, Piiilokorus, gibt das Labyrinth von Creta als ein
für Missethäter bestimmtes Gefängniss aus, allein zur zweckmässigen und
gesunden Ausführung eines solchen Gebäudes würde ein enormer Kosten-
aufwand und ein äusserst grosser Baum erfordert, den man bei dem
gegenwärtigen Zeitgeist für eine solche Idee nicht vertheidigen könnte.

Ad 2. Ordnung und Reinlichkeit sollen überhaupt die erste Stelle in
einem Zuchthause behalten, um den Blässenden, die durch Trennung von
ihren Mitmenschen und bittere Vorwürfe ihres Gewissens genug bestraf
sind, nicht noch durch Kränklichkeit und schlechte Behandlung das Leben
zu verbittern3 aber leider mit Schaudern müssen wir noch eintreten in
einen grossen Theil unserer jetzigen Zuchthäuser, wo Unreinlichkeit nur
und Grausamkeit herrscht, wo wir Menschen erblicken, tief in finstern
Gewölben, entfernt vom Schalle der menschlichen Bede, nur sich und
ihrem Gram anvertraut, und wo oft nur faules Stroh ihr Lager ist, wo
kaum ein milder Strahl vom Tageslicht durchs eiserne Gitter scheint,
der seine Thränen trocknen kann, wo verachtet und misshandelt durch
düstre Gänge ein Verirrter schleicht, blass und abgehärmt, gleich einer
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