Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 29
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Leiche, wo kein tröstend Wort in seinen Busen dringt, und nur Ketten-
geklirr und Knarren der Kerkerlhüre vom morschen Lager ihn emporheben.
Edle Thränen möchte dann ein Jeder weinen, wenn er sieht, wie tief
die Menschenliebe sank, wenn er in den verworfenen Blicken lesen muss,
wie sehr unter falschem Gerechtigkeitszwang sein innerer und äusserer
Werth verlor, und auch selbst sogar in Verzweiflung gerathen Isann,
wenn er bedenkt, dass der Mensch unschuldig, oder, wie Gall sagt,
durch örtliche Organe dazu verleitet wurde.

Um auf eine menschliche Weise und dennoch fest die Verbrecher jeder
Klasse aufzubewahren, glaube ich den Bedürfnissen eines Zuchthauses in
folgender Ordnung, die ich mehr oder minder zum Theil und einzeln
auf meinen Reisen in Deutschland, Italien und Frankreich beobachtet, am
zweckmässigsten entsprechen zu können.

a) Man sorge für eine dauerhafte Gesundheit der Verbrecher.

ß) Für die feste und sichere Verwahrung.

y) Für die moralische Besserung, welches jedoch allein zur Polizei-
aufsicht gehört.

Ad «). Schon der eingeschlossene Zustand der Gefangehen macht jeden für
Krankheiten empfänglicher; ein solches Gebäude verdient also die genaueste
Berücksichtigung bei seiner Anlage und innern Einrichtung, damit der
Staat arbeitsame und gesunde Individuen erhält, und nicht mit Arznei-
mitteln, oder auch nur durch unverdiente Kost, die Ausgaben unnöthig
vermehre.

Die Luft ist das vornehmste Mittel der Natur auf der Erde, das Wasser
ist der gesündeste und gewöhnlichste Trank für alle Geschöpfe, das
allgemeine Element, welches die Menschen erhält und wiederherstellt;
es kann aber ein Gift seyn, wenn es nicht rein ist. Lorcl Kanzler Bacon
sagt: nach der Pest sey der Geruch der Luft in ganz verschlossenen
Kerkern die schädlichste und gefährlichste Art der Ansteckung. (Aus
William Howard über Gefängnisse und Zuchthäuser, mit Zusätzen von
Ludolf Wilhelm Köster. Leipzig 1780.)

Die Lage eines solchen Gebäudes verdient also die erste Sorge eines
Erbauers; denn ohne eine gesunde Lage würden alle übrigen wohllhätigen
Einrichtungen ihre Wirkung verlieren.
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