Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 31
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Das strengste Gefängniss, worin Hauptverbrecher bleibend verwahrt
werden, und daher immer unter ihrer eigenen und der von Ändern ent-
standenen Ausdünstung leben, muss geräumig und höher als alle übrigen
Verwahrungsorte sein. Dieser Ort erhalte durch oben angebrachte Fenster
Licht, und muss zugleich eine Oeffnung oben haben, die mit einer unten
angebrachten Oeffnung für Zugluft communiciren könne, damit täglich
durch die Zugluft von unten die ungesunde, mit aller Ausdünstung ge-
schwängerte Luft durch die obere Oeffnungen abgeführt werden könne.

Dieser Ort habe ferner ein Excrementen-Behälter, der in einer Vertiefung
steht, die man von aussen öffnen, und so den Unrath gleich weg-
bringen kann.

Die Speiss- und Arbeitssäle müssen ebenfalls höher als die übrigen
minder angefüllten Wohnungen der Gefangenen, jedoch niedriger als der
Hauptverbrechersort gemacht werden, weil hier nur in den Speis- und
Arbeitsstunden die Ausdünstung von vielen Menschen entsteht, und solche
nachher wieder ausgelüftet werden können.

Dass in den Arbeitssälen auch gegessen wird, sollte keineswegs geduldet
werden, weil die Verbrecher bei der Erinnerung an ihre Arbeiten wenig
Appetit haben können.

Die einzelnen Wohnungen der Gefangenen, je nachdem sie der Anzahl
gemäss grösser oder kleiner zu machen sind, müssen allezeit so in Ver-
bindung mit dem ganzen Gebäude angelegt werden, dass von zwei
gegenüberstehenden Seiten die Luft in Zuglöchern durch die Zimmer
streichen, und die eingesperrte Luft zuweilen reinigen kann.

Auch sollten die Gefangenen ihre Fenster in Gärten haben, die mit
Pflanzen angelegt sind; denn nach vielen genauen Versuchen hat sich
eingeben, dass durch Pflanzen die schlechte Luft eingesaugt, und gute
abgesondert wird.

Reinlichkeit ist anerkannt eines der nöthigsten Erhaltungsmitteln der
Gesundheit. Jeder Verbrecher sollte also überhaupt beim Eintritt in das
Zuchthaus seine gegen eine der Sache angemessene Kleidung vertauschen
müssen, welche sodann in einem grossen Bassin einige Tage eingeweicht
und gereinigt werden.
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