Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 54
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In der protestantischen Religion dient das Gotteshaus vorzüglich zur
Anhörung der geistlichen Reden , und in der katholischen besonders zur
Feier gottesdienstlicher Zeremonien. Dieses bestimmt also auch „eine ver-
schiedene Einrichtung.

1) In den protestantischen Kirchen , als reformirten und lutherischen,
muss man den innern Raum nicht allzugross, sondern durch Anordnung
der Emporkirchen die Aufnahme einer Anzahl Zuhörer ersetzen, so dass
der Prediger von Allen gehört und gesehen werden kann. Der Altar und
die Kanzel müssen bei jeder Form von Kirche im Hauptpunkt und auch
im Hauptlicht stehen, so dass, wie die Religion, auch die Strahlen des
Lichts sich von diesem Punkt verbreiten. In der Nähe dieses Orts müssen
auch die Chöre für die Kirchen - Musik angebracht seyn, damit sich hier
die ganze Feierlichkeit vereinigt.

Verzierte einzelne Theile dürfen hierin gar nicht die Aufmerksamkeit
auf sich ziehen.

Bei so vielen in länglicht viereckiger Form gebauten Kirchen tritt
durch die Natur der Sache immer eine Unbequemlichkeit der Akustik
ein, so dass die entferntem Zuhörer nicht ganz Theil an der geitslichen
Rede haben können, und selbst bei allgemeinem Beistimmen der Kirchen-
gesänge ein grosser Missklang entsteht. Bei Rotunden würde dasselbe seyn,
indem der Altar und die Kanzel nicht in die Mitte gesetzt werden kann,
ohne dem halben Theil Zuhörer die Ansicht des Predigers zu rauben.

Ich glaube daher , dass die halbrunde Form für die Kirchen mit
den etwas niederer erbauten und um die Hauptkirche herumlaufenden
Emporbühnen dem Zweck mehr entspreche.

Bei dieser Form wäre der Altar und oberhalb die Kanzel im Ceutrum.
An den Diameter dieses Halbkreises würden die Sacristei, die Treppen-
häuser auf die Emporbühnen und auf die Orgel-Emporbühnen slossen.

Die halbrunde Hauptkirche würde von oben beleuchtet werden. Hievon
ein Projekt in den christlichen Tempeln für die drei Confessionen der
christlichen Religion.

2) Katholische Kirchen. Alles Mögliche, was nur zur Feier gottesdienst-
licher Ceremonien beiträgt, muss der Architekt berücksichtigen. Alle
Formen kann er hier anwenden, und muss sich nur bemühen, durch
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