Arnold, Friedrich Johann Andreas   [Hrsg.]
Projecte der höhern bürgerlichen Baukunst — Karlsruhe , Baden, 1831

Seite: 57
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PROJEGT ZU EINEM ALLGEMEINEN CHRISTLICHEN

TEMPEL.

So wie die Verschiedenheiten in der Baukunst der Völker die eigen-
tümlichen Richtungen der Kultur bei jedem Einzelnen bezeichnen, so
müssen auch die Eigenheiten der religiösen Gebäude die Ansicht jeder
Religion vom Heiligen und Göttlichen charakterisiren.

Auffallend hat sich dieser Satz auch in Hinsicht der verschiedenen
Zweige der christlichen Religion und des ganz verschiedenen Styl's katho-
lischer und protestantischer Kirchen bestätigt gefunden, obgleich höheres
Fortschreiten auf der Bahn der Humanität die verschiedenen Confessioneu
erst gewaltsam geschieden, in der Folge wieder friedlich neben einander
wandeln , und ihre Lehren als Bliithen eines und desselben Stammes
bedachten lehrte.

Den gleichen Ursprung dreier christlicher Religionen in einem Tempel
darzustellen, ohne die Eigentümlichkeit einer jeden zu verwischen, ist
die Aufgabe, die ich mittelst des beiliegenden Planes zu lösen versuchte.

Ein Halbzirkel mit Bäumen bepflanzt, dient zum gemeinschaftlichen,
im Diameter und in der Peripherie durch eine bedeckte Halle (B B)
geschlossenen Vorhof. (Fig. A.)

Im Mittelpunkt des Halbkreises ruht unter einem erhöhten Tempel,
dem einzigen Eingang zu den drei Kirchen, mit der Aufschrift: Es ist
nur ein Gott und Mittler. Paulus an Tim. Cap. 2. V. 5. die Basis des
Christenthum's, Christus am Kreuze c. Die hintere Seite dieses Vortempels
steht mittelst dreier Zwischenräume der Säulen offen, und enthält die
symbolischen Darstellungen der Hoffnung und Liebe, e und ß und in der
Mitte zugleich im Centro der anstossenden Nischen, d, das Bild des
Glauben's, als der Grundtugend der Christus-Lehre.

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