Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: V
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1832/0005
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
sich hiermit meistens Täuschung und Trug verbunden denken. Allerdings sind
schon viele irrige Beobachtungen uns bei dieser Untersuchungs-Methode mit-
getheilt ivorden, und zwar von Männern, die darin nicht wenig geübt und
daher mit Hecht als Autoritäten geschätzt waren. Je schwieriger und subtiler die
Forschungen sind, die wir unternehmen, je feiner und complicirter die Mittel,
deren wir uns bedienen, um so leichter und gröfser die Irrungen, denen wir
uns aussetzen, um so nachtheiliger für die Wissenschaft die falschen Schlüsse,
die wir darauf bauen. Defswegen dürfen wir aber nicht die Anwendung von
Instrumenten unterlassen, welche bei umsichtigem und behutsamem Gebrauche
uns Ergebnisse liefern können, die über die geheimsten und innersten Verhält-
nisse unseres Körpers höchst wichtige Aufschlüsse bieten; sondern icir müssen,
die Fehler unserer Vorfahren benutzend, diejenigen Umstände vermeiden,
welche die Ursache zu Täuschungen abgaben. Man gebrauche also so
selten als möglich bei mikroskopischen Forschungen sehr starke Vergröfserung
und Beleuchtung; denn hierdurch besonders wurden Leeujtenhoek , Alex.
Monro , Fontana, Mascagni, und in neuern Zeiten Er. Home u. Baues,
Edwards, Prevost und Dumas irregeführt und zu optischen Täuschungen
veranlafst.

Die mikroskopischen Untersuchungen, auf die sich meine Angaben stützen,
wurden nie bei unmittelbarem Sonnenlicht angestellt, sondern immer an einem
nicht zu hellen Orte. Ich habe jedes Mal zuerst eine schwache Vergröfserung,
von ehva 30 Mal im Durchmesser, in Anwendung gezogen, und bin dann
stufenweise zu stärkeren (von 48, 75, 104, 150 und 200 Mal im Durchmesser)
übergegangen. Was ich gesehen und gefunden habe, wurde meistens schon
bei der schwächsten Linse erkannt, immer aber beiden mittleren Vergröfserungen.
Die stärkeren gebrauchte ich blos, um mich über diesen oder jenen Punkt an
einem schon untersuchten Theile genauer zu unterrichten. Aufser einem zu-
sammengesetzten Mikroskop benutzte ich auch zur Prüfung und als Beweis
ein einfaches, welches mir ganz dieselben Ergebnisse lieferte. Jenes aber ge-
brauchte ich im Durchschnitt und wendete es auch zu den Zeichnungen an,
loading ...