Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: VI
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toeil es die Gegenstände sehr klar, rein und bestimmt zeigte. Endlich unter-
lief s ich nicht, alle Theile so viel als möglich frisch, unverletzt und meistens
mit reinem Nasser ein wenig befeuchtet, zu untersuchen, so dafs ich glaube
in jeder Hinsicht die Vorschriften befolgt zu haben, welche man bei mikro-
skopischen Forschungen nicht aufser Acht lassen darf, wenn sie reine und
ungetrübte Beobachtungen liefern sollen.

Dafs bei dieser Untersuchungs-Methode nicht allein grofse Vorsicht, sondern
auch TJebung und Gewandtheit in nicht geringem Grade erfordert werden,
davon habe ich mich sehr oft zu überzeugen Gelegenheit gehabt. — Im Anfang,
als ich einzelne Theile des Auges unter das Mikroskop brachte, sah ich im
Ganzen und in Vergleich zu Später sehr wenig, und überzeugte mich nach
mehreren Versuchen, dafs starke Beleuchtung, selbst sehr helles Tageslicht
und zu beträchtliche Vergröfserungen solchen Forschungen mehr hinderlich
als förderlich sind.

Die hier mitgetheilten Beobachtungen habe ich ohne alle vorgefafste Mei-
nung angestellt. Nur das, was mich wiederholte und sehr häufige Nach-
suchungen lehrten, wurde angenommen, alles aber, was ich nur einige Mal,
oder unbestimmt und undeutlich sah, verworfen. Bei meinen Untersuchungen
leitete mich stets das Streben nach Wahrheit. Ich war bemüht^ durch ver-
schiedenartige Wege, die ich einschlug, es, soviel mir möglich, zu vermeiden,
Andere und mich selbst zu täuschen, weil ich nur allzusehr von der Ueber-
zeugung durchdrungen bin, dafs Irrthümer, die auf die oder jene Weise in
eine Lehre gebracht werden, der Wissenschaft unberechenbaren Schaden zu-
fügen. Da, ico meine Forschungen mir das Gegenfheil von dem, was allge-
mein angenommen wird, oder etwas Neues und Eigenes zeigten, hütete ich
mich wohl, es sogleich anzunehmen. Nur wiederholte zuverläfsige Beobachtungen
konnten mich dazu bestimmen, der Lehre Anderer entgegenzutreten oder das
Gesehene als etwas Wesentliches und Wirkliches mitzutheilen. — Sollten Andere
die hier gegebenen Untersuchungen durch Selbstprüfung der Beachtung werth
halten, so wird es mir gleich willkommen seyn, ob sie meine Beobachtungen
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