Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 2
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1832/0010
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
Blut führen und zum Theil sehr durchsichtige einsaugende lymphatische Gefäfse
seyen, ohne eine besondere Vorbereitung nicht von der durchsichtigen Substanz
des Zellgewebes unterschieden werden könnten.

Fontaiva, Trevtranus, Heüsinger und Milne Edwards haben das Zellge-
webe mikroskopisch untersucht, zum Theil bei sehr starker Vergrößerung, und
sind auf diesem Wege zu verschiedenen Resultaten gelangt. Fontaiva 3) zufolge
besteht es fast ganz aus gewundenen Cylindern, die nach Treviranus 4) höchst
zart, durchsichtig, wasserhell und mit kleinen Kügelchen von verschiedener Gröfse
untermengt seyn sollen. Edwards 5) aber, welcher bei 200facher Vergröfserung
solche Cylinder auch sah, erkannte mit Hülfe eines stärkeren Instruments, dafs
dieselben aus kugelartigen Körpern bestehen, die unregelmäfsige Reihen bilden
und etwa y300 Millimeter im Durchmesser betragen. Heusiiyger 6) erblickte
unter dem Mikroskop schon bei einer mäfsigen Vergröfserung in dem Zellgewebe
lauter runde Körperchen oder Kügelchen, die viel gröfser als wie die Blut-
kügelchen zu seyn schienen. — Weber hat nun sehr gut nachgewiesen,
dafs sowohl jene Cylinder als auch die Reihen von Kügelchen durch optische
Täuschung entstanden sind, und dafs sonach die mikroskopischen Untersuchungen
noch nicht den nöthigen Aufschlufs über den inneren Bau des Zellgewebes
gegeben haben.

Ich versuchte es daher, ob nicht vielleicht eigene Beobachtungen mich über
diesen Punkt, über den die Nachforschungen Anderer mir keine Aufhellung gaben,
belehren würden, und legte zu diesem Behuf Zellgewebe aus der Umgebung des
Augapfels, von Sehnen- und Muskelfasern unter das Mikroskop. — Zu meinem
nicht geringen Erstaunen sah ich dann sogleich bei den schwächeren Vergrö-
fserungen (30, 48 u. 75 Mal im Durchmesser) zahlreiche, feine, übereinander-
liegende und in einander übergehende Netze von Saugadern und zwischen diesen
hie und da in gröfserer oder geringerer Zahl Fettbläschen angehäuft. Durch die
Netze von Lymphgefäfsen zogen theils gröfsere theils ziemlich feine Zweige von
Blutgefäfsen, an deren Umfang jene weit dichter waren. — Meine Verwunderung
über diesen besonderen und eigenthümlichen Bau des Zellgewebs war um so
gröfser, als ich so Etwas nicht erwartet hatte, ja sogar gegen die Ansicht von

3) Uchcr das Viperngift S. 389 ff.

4) Vermischte Schriften. Göttingen 1816.

5) FaoniEp'a Notizen. B. 17. S. 22. Siehe auch Edwards, mdm. sur la strueture e'le'mentaire des prineipaux
tissus organiques. Paris 1823. u. Ann. des sc. naturelles. Dec. 1826.

6) Histologie. S. 125.
loading ...