Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 10
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1832/0018
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
10

Es ist bekannt8), dafs bei vielen Säugethieren, z.B. beim Ochsen, Schaaf, Pferd,
Schwein, Haasen die weifse Haut gleichfalls in der Mitte am dünnsten , vorn und hinten
aber mehr oder weniger beträchtlich dicker ist. Dasselbe bemerkten Tyson 9), Blu-
menbach 10) und Rudolphi ir) am Auge des Delphins und der Robben; Albeus 12) sah
es beim Wallrofs*). Nach Theviranus 13) soll dasselbe sogar bei allen Vögeln vor-
kommen, bei denen die harte Haut nach vorn noch in sofern eine eigenthümliche und
sehr bedeutende Veränderung erleidet, als ein aus mehreren Knochenblättchen gebildeter
Ring von ihr aufgenommen wird und sich dabei die Form des Augapfels so umgestalte;,
dafs derselbe sich hier allmählig verengt und bis zur Hornhaut eine kegelförmige
Gestalt annimmt.

Diese besondere und eigenthümliche Anordnung der Sclerotica bei Menschen und
vielen Thieren scheint auf Veränderungen, welche im Augapfel beim Nah- und Fern-
sehen vor sich gehn, hinzudeuten und dieselben, in soweit sie durch die geraden
Augenmuskeln bedingt sind, zu begünstigen; denn es findet sich jene dünne Stelle
gerade da, wo das Auge die stärkste Wölbung hat oder wo der Queerdurchmesser am
beträchtlichsten ist, so dafs die geraden Augenmuskeln bei. ihrer gemeinschaftlichen
Wirkung durch einen Druck auf diese Stelle leicht Veränderungen im Innern des Auges
hervorbringen können. — Da wir auf diesen Punkt bei der Betrachtung der Arachnoidea,
so wie der Iris und des Ciliar-Körpers wieder zu sprechen kommen, so verweise ich
dorthin, wo wir ausführlicher über diesen wichtigen Gegenstand handeln wollen.

Die Sclerotica besitzt an ihrem vorderen Ende, da wo sie mit der Hornhaut und dem
Ciliar-Band in Verbindung steht, eine kreisförmig verlaufende Furche, welche zur Auf-
nahme eines dünnhäutigen venösen Sinus bestimmt ist. Löst man das ligainenlum ciliare
von der weifsen Haut los, so wird man immer an der Verbindungsstelle der Sclerotica
mit der durchsichtigen Augenhaut einen durch zarte Wände gebildeten Kanal wahr-
nehmen, den mau leicht mit Quecksilber oder einer Flüssigkeit füllen kann, nicht selten
auch in demselben einen bräunlichen Stoff erkennen, so dafs sich uns dieser Sinus als
ein dunkler den äufseren Rand der Cornea umfassender Ring darstellt. Mehrmal schon

8) Morgagni, Zinn, Rudolph! a. d. n. O. W. Sömmerring, de sect. horizont. oculorum Tal). 2.

9) Trevirantts Biologie. B. VI.

10) Blumbnbach comment. Gott. VII, p. 5.

11) RoDowni's Abhandlungen S. 7. 4

12) Abhandlungen der physiealisch-med. Gesellschaft zu Erlangen. B. I. S. 459.

*) Nur das Auge des Wallfischcs, dessen nach hinten ungeheuer dicke harte Haut sich nach rorn sehr ver-
dünnt, macht hiervon eine Ausnahme. Leiblein, über das Linsensystem S. 7.

13) Trevibanus , Biologie. B. VI, S. 532.
loading ...