Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 12
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gröfserer Thieie, des Ochsen undSchaafs häufig beobachtet, wenn er die Venen mit Queck-
silber füllte. Haller 1S) hat denselben auch im Auge der Vögel gesehen. Weit weniger
als die eben genannten Männer hat Fontana 19) die Natur dieses Kanals, den er
glaubte entdeckt zu haben, gekannt. In einem Schreiben, welches er im Jahr 1T78
an Murray richtete, stellt er ihn als einen zwischen dem Strahlenband, der Sclerotica
und Hornhaut befindlichen Raum dar, welcher hauptsächlich durch das ligamentum
ciliare gebildet werde oder vielmehr in dessen Substanz eingehült sey, gibt aber weiter
keinen Aufschlufs über seine anatomische Bedeutung. Die späteren Anatomen theilten
Fontana's Ansicht, und folgten ihm, ohne etwas zur näheren Kenntnifs dieses Kanals
beizutragen und auf die Untersuchungen von Ruysch, Hovius, Heister, Haller und
Zinn Rücksicht zu nehmen; ja Manche, wie W. Sömmerring 20), gingen selbst so weit,
seine Existenz bei den Thieren in sofern zu leugnen, als sie ihn nicht für einen ur-
sprünglichen, sondern durch künstliche Trennung hervorgebrachten Raum betrachteten.
Unter den Neuern .haben besonders Kieser21) und Treviranus 22) nähere Untersuchungen
des sogenannten FoNTANA'scheu Kanals bei Thieren vorgenommen, und gelangten da-
durch zur Ueberzeugung, dafs er nur bei den Vögeln als ein wirklich offener Raum sich
zeige. Hegar*) fand den Fortana'sehen Kanal beim Menschen, Pferd, Ochsen, Schwein,
bei der Katze, dem Kaninchen, Schaaf, Hund, Haasen, den Vögeln und beschreibt ihn als
einen Raum zwischen den Blättern des ligamentum ciliare und der Sclerotica. Die Meisten
aber nehmen ihn, wenn auch nicht bei allen Säugthieren, doch wenigstens beim Ochsen
an; denn hier ist er so leicht aufzufinden und so deutlich als ein besonderer Kanal ge-
staltet, dafs man sich wundern mufs, wenn er von irgend Jemand geleugnet wird.

Vor Zinn nahm man im menschlichen Auge gleichfalls einen venösen Kreis der
Iris an, wahrscheinlich aber mehr durch Analogie als eigene Beobachtung dazu bestimmt.
Zinn 23) selbst, so sehr er sich auch zur Annahme desselben geneigt fühlte und ob er
gleich einige Mal bei glücklicher Injection der Venen in den Augen von Kindern einen
venösen Kreis zu sehen glaubte, behauptet, auf wiederholte Untersuchungen sich stützend,
dafs im Menschenauge nie ein solcher Sinus sich vorfinde. Es ist mir nicht bekannt,
dafs seit Zinn irgend ein Anatom auf einen venösen Kreis der Iris aufmerksam ge-
dacht hätte. Zinn's und, Walter's Autoritäten scheinen hinreichend gewesen zu seyn,
um die Angaben oder wenigstens die Muthmafsungen der altern Zergliederer zu über-

18) Elcmcnta phyßiologiae. Tom. V. p. 442.

19) Uclicr das Vipcmgift. S: 412 ff.

20) De aectiono horizont. ocul. etc. p. 34. 39. 48.

21) De anaraorphosi oculi. p. 08.

22) Beiträge. S. 83.

*) De oculi partilms quibusdani. p. 14 — 20.

23) A. o. a. O. S. 218.
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