Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 13
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gehen und für nichtig zu halten. Der sogenannte FosTANA'sche Kanal aber, welcher,
wie schon früher bemerkt, in dem Thierauge bestimmt nichts anders als der circulus
venosus iridis jener ist, wurde von einigen Anatomen im Auge des Menschen als ein
zwischen dem orbiculus ciliaris, der Cornea und Scierotica übrigbleibender Raum be-
trachtet und beschrieben, von den meisten geleugnet, von vielen nicht einmal erwähnt.
Dafs man übrigens hie und da denselben gekannt und ihn durch Injection der Arterien
mit Masse gefüllt hat, leidet keinen Zweifel. Schon vor 12 Jahren zeigte Tiedemann
in seinen Vorlesungen diesen Kanal au mehreren Präparaten mit rother Masse aus-
gespritzt vor, und ich bin überzeugt, dafs Manche, die die Arterien des Auges schon
öfters, besonders bei Kindern injicirten, denselben gesehen haben. Weber *) fand in dem
verdickten vorderen Rande des Strahlenbandes einen verhältnifsmäfsig weiten Kanal zweimal
mit Wachsmasse injicirt, und so versichert auch Latjth 24) ihn einmal mit rother Masse
durch eine Injection der Arterien angefüllt und öfters mit Quecksilber eingespritzt zu haben**).
Mufs man nun sich nicht wundern, wenn von Berlin aus die Auffindung dieses Kanals als
eine neue Entdeckung angesprochen wird? Herr Prof. Schlemm 23) schreibt in Rust's theo-
retisch-praktischem Handbuch der Chirurgie B. III. S. 333. „In dieser rinnenförmigen
Vertiefung der Scierotica verläuft ein kreisförmiger dünnhäutiger Kanal, den ich im Jahre
1827 in einem Auge eines erhängten Mannes dadurch entdeckte, dafs er mit Blut an-
gefüllt war, in den sich aber auch eine kleine Borste, nachdem die Cornea und Scie-
rotica von vorn und hinten durchschnitten sind, leicht einführen läfst. Man mufs diesen
Kanal nicht mit dem FoNTANA'schen verwechseln, der im Rinderauge in der Substanz
des orbiculus cilaris sich findet."

Ueber den Zweck des sogenannten FoNTARA'schen Kanals hat man verschiedene
Muthmafsungen ausgesprochen. Man hat angenommen, dafs er mit einer Flüssigkeit
gefüllt sey, die er wahrscheinlich aus der vorderen Augenkammer aufnehme, man hat
geglaubt, dafs derselbe, wie der PETrr'sohe Kanal, auf eine durch ihn erleichterte Be-
wegung des Auges hindeute, man hat endlich vermuthet, dafs er ein Blutleiter sey, der
das Blut aus der Iris und zum Theil aus den Ciliar-Fortsätze erhalte26). Meine Beobachtungen
bestimmen mich, ihn als einen Sinus des Auges zu betrachten, welcher der Iris zugehört und
mit den Veränderungen, die dieselbe in ihrer Gestalt erfährt, in nächster Beziehung steht.
Bei der Erweiterung der Pupille strömt das Blut stärker in diesen Sinus ein, bei ihrer Ver-
engerung findet das Gegentheil statt. Diese Ansicht wird nicht allein dadurch gerecht-
fertigt, dafs die Venen der Iris in ihn sich zum Theil inseriren und aus ihm einzelne

*) Ueber die wichtigsten Thcile im menschlichen Auge. S. 396.

2-1) Manuel de l'anatomiste p. 261 u. 268.

") Laitth gibt eine gute und genaue Beschreibung der Methode, ihn auf die letztere Weise zu injiciren,

25) Siehe auch v. Ammon's Zeitschrift B. I. Heft 4. S. 543.

§6) HoviL's, Webeb und Laut« , a. a. O
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