Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 14
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vordere Ciliarvenen entspringen, sondern auch durch Schxemm's und mehrfache eigene
Beobachtungen, denen zufolge bei gehindertem Rückflufs xles Bluts dieser Kanal damit
angefüllt ist.

Da, wie wir zur Genüge gezeigt haben, Fontana der Entdecker dieses Blutleiters
nicht ist, ja nicht einmal eine so richtige Kenntnifs von dessen Natur gehabt hat, als
viele seiner Vorfahren; so dürfen wir auch fernerhin denselben nicht mehr nach Fon-
tana nennen, sondern wir wollen ihn entweder mit jenen Alten circulus venosus, oder
nach seiner anatomischen und physiologischen Bedeutung sinus circularis iridis taufen.

In Bezug auf die anatomischen Verhältnisse der Sclerotica hätten wir zuletzt noch
zwei Fragen zu beantworten, die schon seit den ältesten Zeiten als streitig dastehen :
nämlich erstens ist die weifse Haut des Auges eine Fortsetzung der fibrösen Scheide
des Sehnerven und somit der harten Hirnhaut, so wie zweitens ist diese Membran an
der Eintrittsstelle des Sehnerven mit einer durchlöcherten Platte versehen?

Da, wo die Sclerotica mit der Scheide des Sehnerven in Verbindung steht, ist
jene allerdings weit dicker als diese, und die Grenze beider so deutlich und bestimmt,
dafs man nicht behaupten kann, die den Sehnerven begleitende Fortsetzung der harten
Haut gehe allmählig dicker werdend in die Sclerotica über. Zweitens zeigt an der
Eintrittsstelle des Sehnerven die Faserhaut des Auges, indem sie denselben mit einem
aufgeworfenen Rand umgibt, eine solche Anordnung , dafs man bei oberflächlicher Unter-
suchung leicht zur Behauptung bestimmt wird, beide Theile stehen in keinem durch
ihre Substanzen vermittelten Zusammenhang, sondern sind völlig von einander in dieser
Hinsicht geschieden. — Allein unterwirft man die Verbindungsstelle der Sclerotica mit
der Scheide des Sehnerven einer vorsichtigen Präperation, so wird man sicher immer
deutlich den Uebergang von zahlreichen Fasern aus letzterer in erstere wahrnehmen, so
dafs man den innigen Zusammenhang beider vermittelst Fasersubstanz sicher nicht leugnen
kann, wenn sie auch durch Maceration von einander getrennt werden können, welchen
Umstand neuere Anatomen mit Unrecht als einen Beweis für die Ansicht geltend zu
machen suchten, dafs die feste Augenhaut keine Fortsetzung der dura mater sey. —
So wie die Retina mit Grund als eine membranöse Entfaltung des Sehnerven betrachtet
wird, obgleich diese Haut in ihrem Umfang sicher mehr Markmasse enthält als der
Sehuervc, zumal an seiner Eintrittsstelle ins Auge, Markfäden in sich schliefst; so kann
mau auch, und diefs mit demselben Rechte, die Sclerotica für eine Fortsetzung der
Faserhaut des Hirns ansehen. Dafs erstere hinten weit dicker ist, als die Scheide des
Sehnerven, kann hiergegen nicht sprechen, da auch die harte Haut des Hirns nicht
an allen Stellen von gleicher Dicke sich zeigt und man demungeachtet allgemein einen
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