Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 17
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Ueber die Art der Verbindung der Hornhaut mit der Sclerotica hat man verschie-
dene Angaben gemacht und sich defswegen unnöthiger Weise viel gestritten. Die Haupt-
sache ist, dafs beide Häute durch ihre Substanz in einander übergehen, jedoch so dafs
die Grenze derselben genau und bestimmt bezeichnet ist. Gewöhnlich erstreckt sich die
weifse Haut aufsen, die Cornea innen weiter, und es wird also letztere von ersterer aufsen
bedeckt; sehr selten sah ich, dafs die Sclerotica aufsen und innen weiter nach vorn ver-
lief als in der Mitte und so gewissermafseu einen Falz bildete, durch den sie die durch-
sichtige Haut aufnahm. — Fände die Verbindung beider Häute nicht in und durch ihre
Substanz statt, so würde sich dieselbe sehr leicht aufheben lassen. Da nun aber selbst
nach sehr lange fortgesetzter Maceration die Trennung der Sclerotica und Cornea nur
gewaltsam geschehen kann, so dürfen wir schon darum nicht an der gewöhnlichen
Annahme,, d. h. der schuppenartigen Verbindung beider Häute fest halten. Dadurch
sah sich auch M. J. Weber 2D) zur Behauptung bestimmt, die Verbindung der Horn-
haut mit der harten Haut geschehe auf doppelte Weise, nämlich nach innen lege sich
die Cornea schuppenartig an die Sclerotica, nach aufsen aber verwebten sich die Fasern
beider Häute und es komme so die innige und feste Verbindung derselben zu Stande.
Allein auch diese Ansicht kann nicht gelten und mufs als unrichtig verworfen werden,
wenn man bedenkt, dafs erstens die Verbindung innen eben so fest ist als aufsen, und
dafs zweitens dort eben so wie da ein Uebergang durch die Substanz statt hat.

Die Cornea wird an ihrer hinteren Fläche von der Membran der wässerigen Feuch-
tigkeit und an ihrer vorderen von der Bindehaut überzogen. Jene werden wir später
untersuchen, diese aber mufs jetzt in Betracht kommen, da wir nicht die ganze Con-
junctiva einer Prüfung unterwerfen wollen, sondern blos den mit der Hornhaut so innig
verbundenen Theil, über dessen Natur nicht allein, sondern auch über dessen Vorhanden-
seyn die Anatomen so äufserst verschiedene Ansichten ausgesprochen haben.

Die älteren Zergliederer waren darin mit einander nicht eins, ob die Bindehaut über
die Cornea sich fortsetze oder am Rande derselben aufhöre. Letzteres behaupten mit
Galsn sehr Viele, da sie glauben, es könnte die Hornhaut nicht so durchsichtig seyn,
wenn jene Haut sich auch über dieselbe erstreckte. Ersteres aber wurde von Mehreren
gelehrt, welche theils mit dem Messer die Conjunctiva über die Cornea verfolgten, theils
in Krankheiten in Form von Bläschen das Bindehautblättchen sich erheben sahen. —
Unter den neuern Anatomen nehmen die meisten an, dafs die Bindehaut über die Cornea
sich fortsetze, hier aber nach einigen weniger, nach anderen mehr ihre Natur ändere.

2!)) Ueucr die wichtigsten Theile des Auges.
F. Arnold, Anat. u. physiol. Untersuchungen.

S. 368.
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