Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 18
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Nur wenige gibt es in jetziger Zeit, welche die Bindehaut am Räude der Cornea auf-
hören lassen oder es wenigstens als zweifelhaft aussprechen, ob sie über die Hornhaut
gehe. Ribes 30) leugnet die Existenz des Bindehautblättchens der Cornea geradezu;
Meckel 31)5 Stachow 32) und Ebi,e33) ziehen sie sehr in Zweifel, weil es ihnen nie
geglückt ist, dasselbe von der Hornhaut zu trennen, und die Maceration in Fällen, wo es
sieh um die Darstellung eines so fein organisirten Theils handelt, nicht das geeignetste
Mittel sey, um das Daseyu desselben zu beweisen.

Dafs die Bindehaut über die Hornhaut wirklich sich fortsetzt, erkennt man nicht
allein, wenn mau das Auge einige Tage nach dem Tode untersucht, sondern auch an den
krankhaften Veränderungen, die das Bindehautblättchen der Cornea nicht selten erleidet *),
so wie daraus, dafs bei denjenigen Thieren, wie bei den Schlangen, die sich häuten,
auch dieses Häutchen mit abgeworfen wird. Die Adnata ist so innig mit der Hornhaut
verbunden und in ihrem Verhalten so eins mit ihr, dafs man bei Untersuchungen an frischen
Augen allerdings leicht zur Annahme bestimmt werden kann, jene höre an dem aufseien
Rande dieser auf. Präparirt man die Bindehaut, wenn auch noch so vorsichtig, mit dem
Messer, so kann man sie nur bis zur Hornhaut verfolgen, und es ist mir nie geglückt, »n
ganz frischen Augen sie über die Hornhaut noch weiter darzustellen. Legt man aber
das Auge etwas in warmes Wasser oder untersucht es nicht allzubald nach dem Tode,
so hält es nie schwer nachzuweisen, dafs die Sache so ist, wie ich angegeben habe. Ich
besitze mehrere Präparate, an denen man die Fortsetzung der Bindehaut über die Cornea
aufs Deutlichste erkennt. Bei dem Menschen fand ich übrigens die Darstellung immer-
hin schwieriger, als bei einigen Thieren, namentlich beim Hammel, Schwein und Kalb,
bei denen selbst bald nach dem Tode die Präparation ziemlich leicht gelingt.

Ueber die Natur des Bindehautblättchens der Hornhaut sind die Meinungen sehr
getheilt; denn die Einen halten es für eine Schleimhaut, Andere zählen es zu den serösen
und Manche zu den epidermisartigen Gebilden. Mit letzteren hat es auch in mehrerer Hin-
sicht grofse Aehnlichkeit, indem es sich in warmem Wasser oder durch Maceration oder
so einige Zeit nach dem Tode von der Hornhaut, in der Art loslöst, und bei dem Häuten

30) M4m. de la socie'te' me*d. d'emulntion. Paris 1817.

31) Handl). der Anatomie. B. IV, S. 59.

32) Rust-m Magazin 1823 XV, S. 582.

33) Uebcr die Bindehaut des Auges. S. 60 ff.

*) Es sind nicht allein die chronischen Wucherungen der Bindehaut überhaupt im Pannus und Pterygium,
sondern auch das Verhalten des Bindehautblättchens hei Bläschen, so wie in manchen Arten von Entzündung,
welche für das Dnsoyn desselben sprechen. Man sieht hier oft deutlich, dafs die Cornea zunächst nicht an dem
Entzündungsprocers Antheil nimmt, sondern dafs sich die Gefäfsc blos in dem Bindehautblättchen der Hornhaut
finden und nach aufsen in die Gefäfsc der Conjunctiva auf der Sclerotica übergehen.
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