Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 24
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ähnlichen Zustand zurück: sie wird fibröshäutig, knorpelig, in einigen Fällen sogar
ossificirt. „

Denjenigen Ophthalmologen und Physiologen kann ich nicht beitreten , welche
annehmen, dafs die Blutgefäfse der weifsen Haut in feine, nur Serum führende Gefäfse
übergingen, welche in die Substanz der Hornhaut selbst sich fortsetzten, und dafs diese
sich alsdann bei der Entzündung dieser Membran in Folge des vermehrten Blutandrangs
überfüllten und nun auch Cruor führten. — Hiergegen spricht erstens die Natur der
Cornea, zweitens dafs man solche Gefäfse auch bei der glücklichsten Injection nie
füllen kann, und drittens zeugen dafür nicht die Erscheinungen, wie sie bei der Horn-
hautentzündung auftreten. Im Gegentheil müssen wir aus anatomischen und pathologischen
Gründen den Satz aussprechen: die Gefäfse in der Cornea entstehen theils durch Ver-
längerung der Gefäfse der Sclerotica und Bindehaut aus dem um die Hornhaut sich
entwickelnden Gefäfsnetz in die Substanz derselben, theils dadurch, dafs von jenen
unabhängig sich neue Gefäfse erzeugen.

Dem Bisherigen gemäfs hat die durchsichtige Augenhaut die meiste Aehnlichkeit in
ihrem Bau mit serösen Häuten; denn auch diese werden, wie mich diefs mikroskopische
Untersuchungen gelehrt haben, durch Netze von Saugaderu gebildet und in ihr Gewebe
gehen zunächst und /im normalen Zustande keine Blutgefäfse ein. Die Hornhaut kommt
auf der anderen Seite auch mit der Sclerotica überein, da sie durch ähnliche Netze von
Saugadern gebildet wird wie diese, in Wasser gekocht, gleichfalls viel Leim gibt und
einen gewissen GradAoa Elasticität besitzt.

Das Zellgew«1^Rritt, wie wir in der Einleitung sahen, bei der einfachsten nächsten
Umgestaltung und (&sänderung, die es erfährt, in Form der fibrösen und serösen Gebilde
auf und zeigt in beiden nicht zu verkennende Gegensätze. In jenen sind die Saugader-
netze, welche man in dem Zellstoff wahrnimmt, dicht zusammengedrängt, von Blut-
gefäfsen, wenn gleich sparsam, durchzogen und wie von geronnenem Eiweifsstoff umgeben;
in diesen aber liegen die Geflechte der Lynvphgefäfse loser auf einander, ermangeln im
normalen Zustande aller Arterien und Venen und sind von einer hellen wässerigen, wenig
Eiweifsstoff enthaltenden Flüssigkeit durchdrungen. — Dieser Gegensatz stellt sich uns
auch in der hinteren gröfseren und vorderen kleineren Partie des Auges durch die Ver-
schiedenheit der äufseren Umhüllung auf eine sehr einleuchtende Weise dar. Sclerotica
und Hornhaut haben zur Grundlage ihrer Bildung ein und dasselbe Gewebe. Dieses hat
sich aber in beiden so verschieden und entgegengesetzt gestaltet, dafs nur die feinste
Nachsuchung den wichtigen Antheil desselben Grundgewebes an der weifsen und durch-
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