Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 26
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aufsen wieder absetzt; dafs die Feuchtigkeit, welche man in der Substanz der Cornea
selbst findet, nichts anders als eben die wässerige Feuchtigkeit ist, und dafs endlich ein
steter Wechsel derselben nothwendig ist, um die Hornhaut in ihrer Durchsichtigkeit zu
erhalten, was auch ganz mit der anerkannt reichen Absonderung der wässerigen Feuchtig-
keit in Einklang steht. Selbst nach dem Tode findet noch, wie bei serösen Häuten
überhaupt, die Aufsaugung der wässerigen Feuchtigkeit statt, und in demselben Grade
mindert sich die Convexität der Cornea, sie fällt zusammen, bildet Falten, auf ihrer
äufseren Fläche schlägt sich jene Feuchtigkeit nieder und nimmt dadurch oft die Form
von einem Häutchen an, das Manche schon zu Irrungen veranlafst hat. Wischt man
dieselbe ab, so zeigt sich bald wieder ein Niederschlag; übt man einen Druck auf den
Augapfel aus, so sieht man diese Feuchtigkeit deutlich hervorsickern. — In höherem
Alter nimmt der humor aqueus an Menge ab, so wie überhaupt die Secretionen schwächer
werden, die Hornhaut verliert ihre Wölbung und damit auch immer etwas von dem
lebhaften Glänze, den sie in mittleren Jahren besitzt, ja in manchen Fällen bekommt
sie ein trübes, nebeliges Aussehen, wird fester, dicker und härter, es entsteht der
sogenannte arcus senilis, welche Erscheinungen mit Recht als Zeichen einer Störung
des durch die wässerige Feuchtigkeit bedingten Ernährungs-Processes der Cornea be-
trachtet werden.

So ziemlich allgemein nehmen die Anatomen und Aerzte in Bezug auf den Bau
der Hornhaut an, dafs dieser ein lamellöser sey, da die Cornea sich in mehrere,
schichtenweise übereinanderliegende und durch Zellgewebe unter sich verbundene Platten
sowohl durch das Messer, als auch die Maceration, so wie in manchen Krankheiten
trennen lasse. Schon Valsalva 43) hat hierüber Beobachtungen angestellt und die eigentliche
Hornhautmasse als substantia spongiosa corneae bezeichnet. Treviranus 44) stellte über
den Bau der Hornhaut Untersuchungen bei vielen Vögeln und Säugethieren, besonders
jedoch am Narhwalauge an und gelangte dadurch zu dem Ergebnifs, dafs die Cornea
bei all diesen Thieren aus zahlreichen Lagen von Fasern besteht. — Meine Beobachtungen,
die ich nicht allein an Menschen-, sondern auch an vielen Thier-Augen vornahm,
nöthigen mich dieser so gewöhnlichen Ansicht entgegenzutreten und zu behaupten, dafs
eine solche Spaltung der Cornea in mehrere Lamellen und in schichtenweise übereinander-
liegende Fasern nur eine künstliche sey, nicht aber in der wesentlichen und eigentüm-
lichen Structur der durchsichtigen Augenhaut gegründet ist. Das Resultat der Nachsuchung
über die Zahl der Hornhaut-Lamellen mufs sehr verschieden ausfallen, je nach der Mühe
und Geschicklichkeit, die man dabei anwendet, oder auch je nach anderen Umständen,

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43) Morgagni epist. anat. XVI. g. 30,

44) Beiträge S. 12 ff.
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