Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 27
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die dabei obwalten; daher auch die Angaben der Anatomen über diesen Punkt gar nicht
mit einander übereinstimmen, manche 4, andere 6, 8 und mehr Lamellen annehmen.

Hat es mit unserer Ansicht über den Bau der Cornea seine Richtigkeit, so dürfen
wir auch nicht der Vermuthung von Treviranus 45) beipflichten, dafs die Zusammen-
setzung der inwendigen Substanz Nder Hornhaut aus Lagen von Fasern mit der Polarisation
des Lichts in Beziehung stehe. „Wenn man einen Strahl durch mehrere, übereinander-
liegende, homogene Glasplatten in schiefer Richtung gehen läfst, so verliert ein Theil
des Lichts, der sonst zurückgeworfen werden würde, beim Durchgang durch jede
folgende Platte immer mehr die Eigenschaft, reflectirt zu werden. Etwas Aehnliches
ereignet sich vermuthlich in den Faserschichten der Hornhaut."

' Ich hätte nicht nöthig, die Frage, ob die Hornhaut Nerven habe, zur Beantwor-
tung aufzuwerfen, da man bisher diese Haut ziemlich allgemein für nervenlos erklärt
hat, wenn uns nicht noch neulich von Schlemm 46) in Berlin die Entdeckung mit-
getheilt worden wäre, dafs die Cornea ihre Nerven von den Blendungsnerven erhalte.
„Da man bis zur Zeit die Hornhaut ganz und gar für nervenlos erklärt hat, so freuete
es mich um so mehr, die Nerven derselben bei meinen jüngst angestellten genauen
Untersuchungen des Auges aufzufinden. Sie haben ihren Ursprung aus den Blendungs-
nerven. Diese theilen sich hinter dem Blendungsband in oberflächliche und tiefere
Zweige. Diese gröfser und an der Zahl mehr als jene gehen zu der Blendung; die
oberflächlichen hingegen gehen, dicht an der harten Haut liegend, über das Blendungsband
nach vorn und senken sich am Falze in den Rand der Hornhaut so ein, dafs sie an
dem schiefen, die Hornhaut im hinteren Umfang deckenden Rande der harten Haut
bleiben, bis sie sich endlich der Kleinheit halber dem Auge entziehen. Ob also ihre
feinsten Zweige zwischen dem Blättergewebe der Hornhaut bis zur äufseren Seite dringen,
wage ich jetzt noch nicht mit Gewifsheit zu bestimmen, wahrscheinlich ist es mir, weil
die Berührung der Hornhaut Empfindung veranlafst (?), und weil eine Lösung von
dem Extrakt der Belladonna u. s. w. in das Auge getröpfelt in kurzer Zeit eine Ver-
änderung der Iris bewirkt (!!!). Den vorbemerkten Verlauf der Hornhautnerven habe ich
an mehreren Rinderaugen und an einem Hirschauge beobachtet. Am menschlichen Auge
kann ich aber ihre Existenz dadurch beweisen, dafs man immer, auch bei der behut-
samsten Lösung des Blendungsbandes aus seinem Falze abgeschnittene Nerven durch eine
gute Lupe wahrnimmt, was mich zuerst zu genauem Nachforschungen an gröfseren Thier-
augen vermochte."

45) A. c. a. O. S. 13.

46) Encyclopaed. Wörterbuch. B. IV. S. 22 u. 23.
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