Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 32
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sonders weil der vornehmste von den strahlenbrechenden Theilen des Auges, die Luise,
im Allgemeinen weicher bei diesen als bei jenen ist; so glaube ich um so mehr der von
den meisten Physiologen angenommenen Meinung beitreten zu müssen, dafs viele Vögel,
besonders Raubvögel, ein weit höheres Vermögen des Fernsehens als die meisten Säuge-
thiere besitzen. Am allerwenigsten aber kann ich die Behauptung von Trevikakus an-
nehmbar finden, dafs dem Ochsen dieses Vermögen in einem eben so hohen, oder noch
höhern Grade zukomme als jenen Thieren.

Ueberhaupt müssen wir bei derartigen Untersuchungen immer die Bemerkungen
sehr wohl berücksichtigen, die Tjieviranus selbst hinsichtlich der Dimensionen und
strahlenbrechenden Kräfte des Auges des Menschen und der Thiere gemacht hat, weil
man sonst verleitet werden könnte, aus solchen Berechnungen allzu bestimmte Schlüsse
zu ziehen. „Die Ausmessungen der einzelnen Dimensionen sind keineswegs als so genau
anzusehen, wie sie seyn müfsten, um unbedingt auf sie bauen zu dürfen. Abgerechnet,
dafs das Auge gleich nach dem Tode seine Gestalt verändert, so hält es auch schon
defswegen sehr schwer Genauigkeit zu erreichen, weil man mit Aveichen Theilen zu thun
hat, in deren Verhältnissen bei ihrer Kleinheit oft schon einige Zehntheile einer Linie
bedeutende Unterschiede machen 50)."

Es müssen daher Folgerungen, aus derartigen Messungen und Berechnungen gezogen,
mit der gröfsten Behutsamkeit und Vorsicht ausgesprochen werden und können ohne
Zweifel dann erst volle Gültigkeit erhalten, wenn sie durch die Erfahrung bestätigt
werden, und mit der Lebensweise der Thiere übereinstimmen, da die Lebensthätigkeit
selbst bei solchen Berechnungen nicht in Anschlag gebracht werden kann.

50) A. o. a. O. S. 20.
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