Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 36
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Theil 3er Arachnoidea gekannt und letzterer hat sie mit Recht für eine seröse Haut erklärt.
Gewöhnlich nimmt man zwar an, dafs die Chorioidea aufsen von einer Zellschichte bedeckt
werde, welche sich vorn zum lig. ciliare umgestalte, und man wird mir vielleicht gegen
meine Ansicht einwenden, dafs das, was ich für die innere Platte der Arachnoidea hielte,
nichts als ein aus Zellgewebe gebildetes Häutchen sey. — Hiergegen kann ich nur be-
merken, dafs es erstens, wie oben angeführt, den Charakter einer serösen Membran hat,
und zweitens, dafs, wenn es keine solche wäre, die die innere Fläche der Sclerotica
überziehende Haut, welche ganz bestimmt seröser Natur ist, in sofern das Eigenthümliche
der serösen Häute nicht besäfse, als sie keinen Sack, sondern eine einfache Membran
darstellen würde. Demnach verhält sich die Spinnwebenhaut des Auges zur Sclerotica und
Chorioidea gerade so, wie die Arachnoidea des Gehirns zur dura und pia mater. Schon
Zinn 8) hat die Aehnlichkeit des Raums zwischen der Chorioidea und Sclerotica mit
Höhlen seröser Säcke erkannt und spricht sich darüber sehr klar und bestimmt in folgenden
Worten aus: Post mortem inter utramque tunicam in hac cellulositate colligitur humor
aqueus, qui eo majori semper deprehenditur copia, quo longius post mortem oculus
evulsiis et sclerotica aperta fuerit, etsi in hoinine vivo interstitium illud, quod fingi potest
inter tunicam scleroticam et chorioideam, plenuin sit, ut duae illae tunicae ubique sibi
contiguae sint; quod quidem huic inter utramque tunicam spatio imaginario commune est
cum omnibus fere cavitatibus, uli dicuntur, corporis humani, ut ventriculis cerebri, spatio
imaginario inter pleuram et pulmonem, et inter tunicam vaginalem et albugineam testiculi
et aliis, in quae spatia eodein modo in homine vivo et sano vapor tantum halat, ut omnes
illae partes arctissime inter se congruant, nullo intervallo vero intercedente, qui vapor
naturalis aut ex morbo interdum aut post mortem in aquam cogitur. Auch Wardiiop 9)
hat an einigen Stellen seiner pathologischen Anatomie des Auges die Bemerkung gemacht,
dafs die innere Fläche der Sclerotica und die äufsere der Chorioidea glatt seyen und eine
Feuchtigkeit ausdünsten, wie diefs in anderen serösen Höhlen geschehe. Seine Ansicht
theilt Haiirison 10), indem er sagt: its internal surface is smooth and glistening; from
this surface a fine serous - like lamina may be raised; this is reflected on the choroid coat,
Aufser beim Menschen habe ich die Arachnoidea des Auges auch bei mehreren
Thieren nachgesucht und sie besonders deutlich bei den Vögeln vorgefunden. Die äufsere
Platte derselben ist von Albeus als innere hornartige *) Lamelle der Sclerotica beschrieben

8) A. a. 6. s. 25.

9) A. a. O. Cap. 2T u. 53.

10) The Duhlin dissector p. 350.

*) Diesen Nnmcn verdient sie gar nicht, da sie eine rein seröse Memhran ist, wlo mich dies mehrere
mikroskopische Untersuchungen gelehrt hahen. Man erkennt in ihr unter dem Mikroskop ein feines Netz von
Tjymphgefärse , wie es Fig. 5. ahgchildet ist, und ganz hestimmt die Natur einer serösen Haut.
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