Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 37
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/arnold1832/0045
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
37

worden. Dieselbe läfst sich im Auge der Falken ohne Maceration sehr leicht für sich
darstellen und' kann hier ohne Mühe von der weifsen Haut getrennt werden; bei andern
Vögeln aber hat man meistens die Maceration nöthig, um sie als eine besondere Membran
zu erhalten. Die innere Platte der Spinnvvebenhaut kann bei den Vögeln, ob sie gleich
viel zarter und dünner ist als die äufsere gleichfalls leichter präparirt werden , als bei den
Säugethieren. Der Raum zwischen der Sclerotica und Chorioidea ist bei den Vögeln nach
den von mir gemachten Beobachtungen weit auffallender als bei anderen Thieren, und
jene beide Membranen sah ich durch Zellgewebe entweder gar nicht oder nur selten ver-
bunden. Bei mehreren Säugethieren aber, namentlich beim Ochsen, Schaaf, geschieht,
wie schon Zinn ir) richtig bemerkt, eine ziemlich genaue Verbindung beider Häute durch
Zellgewebe, so dafs, wenn man die Sclerotica entfernen will, leicht ein Plättchen der
Gefäfshaut mit hinwegzieht. Hier fand ich daher nie, wie bei den Vögeln und gewöhnlich
beim Menschen einen genau bezeichneten Zwischenraum. Bei anderen Säugethieren dagegen
war die Arachnoidea des Auges und der Raum zwischen ihren beiden Platten so deutlich
wie beim Menschen.

Die Flüssigkeit, die man zwischen der weifsen und Gefäfshaut des Auges nach dem
Tode gewöhnlich findet, wird wahrscheinlich von der Arachnoidea abgesondert. Die
Absonderung scheint mir durch die Chorioidea bedingt zu seyn, indem diese, welche in
ihren zahlreichen Gefäfsen eine beträchtliche Menge Blut führt, an ihrer äufsern von der
Spinnwebenhaut überzogenen Fläche den serösen Theil des Bluts, weggibt, nach innen
aber diejenigen Bestandtheile absetzt, welche das schwarze Pigment constituiren. Jene
Flüssigkeit wird alsdann durch die Saugadernetze der äufsern Platte der Arachnoidea
aufgenommen , dringt durch die Sclerotica und erfährt so einen steten Wechsel, indem
sie aus dem Blute der Chorioidea vermittelst der innern Platte der Spinnwebenhaut ab-
geschieden und von dem dichten aus Saugadern bestehenden Gewebe der Sclerotica
vermittelst der äufseren Platte jener Membran wieder aufgenommen und weiter geführt
wird. Es mag hier ein ähnliches Verhältnifs statt haben, wie zwischen der Iris und der
wässerigen Feuchtigkeit, dieser und der Hornhaut, ein Verhältnifs, welches wir nachher
bei der ÜEMOunschen Membran näher untersuchen wollen.

Wozu diese seröse Membran zwischen der Sclerotica und Chorioidea? ist die Frage,
die sich uns hier zunächst aufdrängt, und deren Beantwortung wir in dem Zweck der
serösen Häute überhaupt, so wie in dem Verhalten der einzelnen Theile des Augapfels
unter besondern Verhältnissen, finden werden. Ueberall im Organismus, wo Organe oder
die einzelnen Theile derselben' nicht fortwährend in der Lage überhaupt oder in dem
bestimmten Verhältnisse zu einander bleiben, sondern gewisse , mehr oder weniger
11) A. a. O. S. 24.
loading ...