Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 41
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im Auge beweisen, dafs das Maximum der Veränderungen dieser Entfernung nur 0,06
Theile eines Pariser Zolls zu betragen braucht, damit das Auge einer unendlichen Ent-
fernung des Objects und einem Abstände desselben von nur 5 Zoll angepafst wird. Mit
der Vergröfserung und Verringerung des Radius der Hornhaut steht hierbei immer die
Vermehrung und Verminderung des Abstands der Linse von der Netzhaut in geradem
Verhältnifs, so dafs die Lichtstrahlen sich bei jeder Veränderung des Auges nach der
Entfernung des Gegenstandes auf der Retina vereinigen müssen 10). Hierzu möchte ich
nur noch fügen, dafs der Druck auf den Umfang des Augapfels besonders an jener
Stelle Statt hat, wo der Querdurchmesser am beträchtlichsten, und die Sclerotica am
dünnsten ist, so dafs schon leise Einwirkungen der geraden Augenmuskeln nicht
unbedeutende Veränderungen im Innern des Auges hervorbringen können. Wenn die
vier geraden Augenmuskeln gleichzeitig wirken, so müssen sie einen Druck auf den
gröfsten Umfang des Augapfels ausüben, weil sie im Grund der Augenhöhle in ihrem
Ursprung nahe beisammen liegen, dann sich von einander entfernen, den gröfsten Um-
fang des Auges umfassen und zuletzt, in ihrer Insertion am vorderen Theile der
Sclerotica, wie natürlich wieder etwas zusammentreten. Man öffne die Augenhöhle von
oben, präparire die geraden Augenmuskeln, und man wird sich davon überzeugen, dafs
dieselben bei gemeinschaftlicher Contraction nothwendig einen Druck auf den gröfsten
Umfang des Augapfels bewirken. Dadurch wird allerdings der Glaskörper nach vorn
und hinten gedrängt, der Abstand der Linse von der Retina vergröfsert, die Horn-
haut mehr gewölbt, und auf diese Weise das Sehen in verschiedenen Entfernungen je
nach der verschieden starken Einwirkung der geraden Augenmuskeln möglich gemacht.
Auch gegen diese Ansicht , welche Olbejis so schön auseinandersetzte , hat
TuEvinANüs 17) mehrere Einwendungen gemacht, die aber bei näherer Prüfung leicht
als ungültig beseitigt werden können. Die Gründe, welche hiergegen erhoben wurden,
sind folgende: 1) Da die geraden Augenmuskeln den ganzen Umfang des Augapfels
nur nach vornen , nicht in der Mitte umfassen, so kann, keine gleichförmige Pressung
auf jeden Punkt der Seiten des Augapfels entstehen, und der Glaskörper wird nicht
blos nach vorn und nach hinten, sondern auch nach den Zwischenräumen der Augenmuskeln
hingedrückt werden. 2): Der Druck müsse beim Menschen durch die sphärische Gestalt des
Augapfels sehr vermindert werden, und: dürfe wegen der Seitenausdehnung und der shpä-
rischen Gestalt desselben nicht so gering seyn, wie Olbeus annimmt. 3) Frage es sich
ob er hinreichend sey, die Hornhaut auch nur um 0,06 Theile eines Zolls auszudehnen.
4) Würde durch einen Druck auf den Augapfel die Netzhaut in Palten gelegt der

16) Tkeviranvs, a. e. a. O. S. 525:

17) S. 526.

F. Abhold , Anat. u. physiol. Untersuchungen. g
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