Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 42
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Sehnerve und jeder der übrigen Augennerven gegen den Grund der Augenhöhle ge-
drängt und das Sehen gestört werden.

Wenn man einen frischen, von den umgebenden Theilen gereinigten Augapfel
zwischen zwei oder vier Finger legt, und auf den gröfsten Umfang nur einen leisen
Druck anbringt, so sieht man auf das Einleuchtendste, dafs die Gründe von Tkeviiiaivtjs
gegen obige Ansicht durchaus nicht haltbar sind; denn es wird dabei nicht der Glas-
körper zwischen den Fingern hingedrückt, da sich die Sclerotica nicht hervordrängt,
sondern im Gegentheil die Hornhaut sichtlich stärker wölbt. Die weifse Haut des
Auges besitzt zu viel Festigkeit, als dafs sie bei einem sanften Druck auf den Augapfel
dem Glaskörper nachgeben sollte; die Hornhaut dagegen tritt hierbei etwas hervor,
weil sie weniger Festigkeit besitzt als die Sclerotica und auch freier, nicht so umgeben
von andern Theilen wie diese ist. Die Ab- und Zunahme der Feuchtigkeiten im Innern
des Auges während des Lebens und im Tod(, bemerkt man daher auch eher und auf-
fallender an der Cornea, wie an der Sclerotica. Es ist also, wie man diefs deutlich
aus obigen Versuchen ersehen kann, weder die Gestalt des Augapfels, noch die Be-
schaffenheit der Hornhaut und Sclerotica den Veränderungen hinderlich, welche die
geraden Augenmuskeln an dem Augapfel bewirken. Da aber diese Einwirkung keine
beträchtliche seyn mufs, um für das Sehen nicht unbedeutende Veränderungen hervor-
zubringen, so ist es auch einleuchtend, dafs bei dem Umfang des Augapfels weder die
Netzhaut, noch andere Theile in dem Grade in ihrer Lage verändert weiden, wie
Tkevikanus es anzunehmen scheint.

Wenn endlich dieser geistreiche Physiologe noch die Frage aufwirft: Kann wirklich
die gleichzeitige Zusammenziehung der geraden Augenmuskeln einen Druck auf den
Augapfel hervorbringen ? so glaube ich annehmen zu müssen, dafs Treviivanus eine
unrichtige Vorstellung von der Art der Einwirkung jener Muskeln des Augapfels hat.
Dieser wird nicht gegen den Grund der Augenhöhle hin zurückgezogen, so dafs eine
gegenwirkende Kraft an dem Auge erfordert würde, sondern die geraden Augenmuskeln
üben bei ihrer gemeinschaftlichen Wirkung einen leisen Druck auf den am meisten
gewölbten und sehr dünnen Theil der Sclerotica aus, wodurch nothwendig jene Ver-
änderung im Innern des Auges erzeugt wird, die Olbers sehr richtig und scharfsinnig
näher angegeben hat. . i
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