Arnold, Friedrich  
Anatomische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen — Heidelberg , Leipzig, 1832

Seite: 43
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IV. Haut der wässerigen Feuchtigkeit, membrana humoris aquei*).
Die Membran der wässerigen Feuchtigkeit findet sich zwischen der Hornhaut und
der Iris. Sie ist eine zarte, feine durchsichtige Haut, welche mit der hinteren Fläche
der Cornea und mit der vorderen der Regenbogenhaut so innig verbunden sich zeigt, dafs
man sie im Auge des Erwachsenen nicht isolirt darstellen kann. Dennoch aber dürfen
wir nicht anstehen, diese Membran als eine besondere aufzuführen, da sie weder zur
Hornhaut noch zur Iris gerechnet werden kann, indem sie sich in ihren anatomischen
und physiologischen Verhältnissen von beiden unterscheidet. In dieser Hinsicht kommt
sie ganz mit den serösen Säcken anderer Organe, wie der Lungen, des Hirns u. s. w.
überein. So wie die pleura pulmonalis mit der Oberfläche der Lungen innig ver-
wachsen ist, so dafs sich jene nicht isolirt darstellen läfst, obgleich Niemand den
Lungen den serösen Ueberzug absprechen wird; eben so ist die Iris von der Haut der
wässerigen Feuchtigkeit genau bekleidet, so dafs man diesen Ueberzug nicht für sich
erhalten kann. Eine sorgfältige Untersuchung wird aber hier eben so wenig, als an
der Oberfläche der Lungen, des Hirns und anderer Organe die seröse Bekleidung ver-
missen lassen, wenn gleich mehrere (Anatomen daran zweifeln, weil die vordere Fläche
der Blendung nicht ganz glatt, sondern etwas zottig ist. Am besten und leichtesten
überzeugt man sich von der Existenz des serösen Ueberzugs der Iris durch die Unter-
suchung der Augen von Fötus und neugebornen Kindern; denn hier sieht man ganz
deutlich, dafs sie von der hinteren Fläche der Hornhaut zur Iris hingeht und deren
vordere Seite überzieht. Immerhin aber ist diese Membran ah beiden Häuten nicht von
gleicher Natur ; denn als Ueberzug der Hornhaut zeigt sie sich sehr durchsichtig und
glatt, als Bekleidung der Blendung aber etwas zottig und weniger klar. Das villöse
Aussehen rührt nicht von der serösen Membran selbst her, sondern von den Gefäfsen
der Iris, welche an der vorderen Fläche derselben sehr feine Zotten bilden.

*) Bened. Duddell a) hat zuerst im Pferdeauge die die Hornhaut überziehende Platte der Haut der wäs-
serigen Feuchtigkeit beobachtet. Hovius 6) und Zinnc) kannten den die Iris hckleidenden Theil dieser Membran.
Die Franzosen behaupten daher mit Recht, letzterer habe etwas von derselben gewufst, und wir müssen in.
diesem Fall ihnen und vor Allen Sabatieb, d~) eine bessere Kenntnifs der Geschichte als den meisten Deutschen und
namentlich Rudolphi e) einräumen, welcher uns sehr irrig berichtet, indem er sagt: „Wenn Ribes und Monfalcon
ihren Landslcuten die Ehre der Entdeckung der Wasserhaut absprechen und sie Zinn zuschreiben, so üben sie
eine seltene Parteilosigkeit aus, die wir aber erwiedern müssen, Zinn hat an jene Haut nicht gedacht, noch
viel weniger aber in seinem vortrefflichen Werke von ihr gesprochen; er würde wahrlich dann nicht so dar-
über weggegangen seyn."

a) A treatise of the diseases of the horny-coat of the eye, and tlie various kinds of Cataracta Lond 1729'
pag. 102.

b) De motu huraorum p. 30.

c) De vasis subtilioribus oculi p. 23 und descript. oculi hum. Tab. IV. Fig. 2. x^.

d) Traite" d'anatomie. Tome II. p. 82.

e) Grundrifs der Physiologie. B. 2. S. 180.
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